Arbeitsgemeinschaft Schmetterlinge Zollernalb

 

 

 

Zuchtbericht: Orgyia antiqua, der Schlehen-Bürstenspinner

Wie es eben mitunter geschieht: Friedemann Treuz holt Futter für die Raupen aus einer Zucht des Großen Gabelschwanzes (Cerura vinula) und entdeckt dann auf einem Weiden-Blatt ein kleines "Würmchen" in Häutungsruhe - vermutlich von L2 nach L3. Weil er es erst zuhause entdeckt, wird es natürlich weiter gezüchtet, auch wenn das eigentlich nicht geplant war. Hätte er es schon beim Einsammeln entdeckt, wäre es draußen geblieben.

Das Räupchen hat sich prächtig entwickelt und aus der Puppe ist ein Weibchen geschlüpft - alles allerdings zunächst fotografisch nur schlecht dokumentiert.



Jungraupe - 20.06.2017



Raupe L5 - 29.06.2017



Raupe L5 - 29.06.2017



Raupe L5 - 29.06.2017



Raupe L5 - 29.06.2017



Raupe spinnt sich ein - 02.07.2017

Friedemann schreibt dann: "Als die Dame geschlüpft ist, habe ich mich über meine Faulheit geärgert. Um wenigstens noch ne Kopula in den Apparat zu bekommen, stellte ich sie raus auf den Balkon. Nach etwa 10 Minuten schnurrte ein Freier an und verrichtete seine Arbeit. Das Glück währte nur so lange um ein paar Bilder zu machen - ein Quickie. Sofort (und sogar schon vorher) hat die Legemaschine Eier gelegt, von welchen ich ein paar durchgezüchtet habe."



♀ frisch geschlüpft - 11.07.2017



schwupps kommt ein ♂ - 11.07.2017



Eiablage - 11.07.2017



♀ von vorn - 12.07.2017



Eier - 12.07.2017



Eier - 12.07.2017

Diesmal hat er die Entwicklung fotografisch gut dokumentiert und deshalb können wir an dieser Stelle auch einige der Bilder präsentieren - in der Hoffnung, dass andere das alles ebenso interessant finden.



Räupchen L1 - 28.07.2017



Raupe L2 - 08.08.2017



Raupe L2-3 - 08.08.2017



Raupe L3 - 08.08.2017



Raupe L4? - 16.08.2017



Raupe L5 - 01.09.2017



Raupe L5 - 01.09.2017



Raupe L5 - 01.09.2017



Kokon - 01.09.2017

Zu den Puppenfotos schreibt er: "Für mich besonders interessant waren die weiblichen Puppen kurz vor dem Schlüpfen, in welchen die fertigen Stummelflügel sehr deutlich sichtbar sind. Sie sind viel kleiner als die Flügelscheiden an der Puppe - also hatten die Weibchen in früheren Zeiten auch größere Flügel, sonst wären sie bei der Puppe nicht so groß angelegt." So lernen wir also auch noch was über die vermutliche Evolution dieser Art.



Puppe ♂ frisch - 01.09.2017



Puppe ♂ - 12.09.2017



Puppe ♂ - 17.09.2017



♂ frisch geschlüpft - 11.09.2017
 



Puppe ♀ - 12.09.2017
 



Puppe ♀ - 17.09.2017
Vergrößerung

Dann schlüpft das Weibchen und beginnt sofort mit dem Verströmen seiner Pheromone (= Sexuallockstoffe). Ein Männchen nimmt das mit seinen empfindlichen Antennen (= Geruchsorganen) wahr - er fliegt an und begattet das Weibchen. Dieses legt sofort wieder Eier und alles beginnt erneut ...



♀ frisch geschlüpft - 17.09.2017



Antennen ♂ - 11.09.2017



alles von vorn - 17.09.2017

Alle Fotos: Friedemann Treuz, Bitz
 

Mehr zu den Trägspinnern im Zollernalbkreis → hier
 

Kurzinfo (Quelle: Wikipedia)

Lebensweise
Die Falter sind tagaktiv. Männchen fliegen auf der Suche nach Weibchen ungestüm umher. Nachdem das Weibchen aus seinem Kokon geschlüpft ist, setzt es sich auf diesen und sondert Pheromone aus der ausgestülpten Legeröhre (Ovipositor), um ein Männchen anzulocken. Nach der Paarung legt das Weibchen alle seine weißgrauen Eier direkt auf oder neben den alten Kokon ab und stirbt kurz darauf. Die Eier der ersten Generation schlüpfen relativ bald, die der zweiten Generation überwintern. Die Raupen verpuppen sich in einem weichen, ovalen grau gefärbten Kokon zwischen Blättern und Zweigen.

Flug- und Raupenzeiten
Die Falter fliegen in zwei Generationen von Mitte Juni bis Mitte Juli und von Ende August bis September. Die Raupen findet man im Mai und von Ende Juli bis August. In kalten Jahren bildet sich nur eine Generation im Juli aus, in günstigen Jahren kann es auch eine dritte im Oktober geben.

Nahrung der Raupen
Die Raupen ernähren sich von zahlreichen Laubbaum- und Straucharten, wie beispielsweise von Schlehdorn (Prunus spinosa), Eingriffeligem Weißdorn (Crataegus monogyna), Himbeere (Rubus idaeus), Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Sal-Weide (Salix caprea), Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und auch von krautigen Pflanzen.

 

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