Schriftzug
Home Kontakt Links Archiv AG Schmetterlinge  
wer wir sind häufige Fragen Themen unsere Natur  
Meinung
 
Geier in Deutschland
 

 
 
 

 


31.08.2017: Gänsegeier in Hausen im Tal (SIG, BW) freigelassen

 

Gänsegeier Gypsi ist wieder in Freiheit


Das Wildkamerabild aus der Auswilderungsvoliere
zeigt Gypsi bei artgerechter Nahrungsaufnahme an einem Reh (roadkill). Foto: D.Haas



Am Donnerstag, 31.8.17 konnte sich "Gypsi" endlich wieder in die Lüfte schwingen. Gypsi ist ein über 4 Jahre alter männlicher Gänsegeier, der vor über einem Jahr, am 10.7.2016, verletzt und ausgehungert bei Hörsel-Teutleben (GTH, Thüringen) nahe einer Windkraftanlage aufgefunden wurde. In einer Großvoliere der Rennsteig-Falknerei im Thüringer Wald wurde er rehabilitiert, was bei seinen unfallbedingten Schwungfeder­schäden über ein Jahr in Anspruch nahm. Zur Auswilderung setzten sich die Thüringer Behörden und Ornithologen mit der Geierschutzinitiative GESI in Verbindung, welche die Freilassung in einem Optimalbiotop für Gänsegeier im Oberen Donautal übernahm. Gänsegeier haben dort viele Jahrhunderte lang gebrütet, immature Vögel kommen auch heute noch auf "Stippvisite", jedes Jahr auf ihren natürlichen Wanderungen dort vorbei. Aus Gründen des Tierschutzes, zur Absicherung der Auswilderung und zur Zugvogel­forschung wurde Gypsi mit einem modernen solarbetriebenen Sender bestückt, der die jahrelange genaue Registrierung seiner Wanderungen erlaubt - ausgeführt durch die

Vogelwarte Radolfzell (MPI). Er tolerierte den Sender a priori, ohne ihn weiter zu beachten.

Am Samstag, 02.09.2017 wurde erstmals im Fernsehen über den Fall berichtet, kommentiert von D. Haas und anderen Vogelexperten - in den ▶▶ Landesnachrichten Baden-Württ. aktuell im 3. Programm (SWR). Dieser Samstag, 2.September, ist der jährlich wiederkehrende IVAD (International Vulture Awareness Day, übersetzt: "Internationaler Geier-Achtsamkeitstag"), an dem mit zahlreichen Veranstaltungen in verschiedenen Ländern auf die höchstgradige Gefährdung und Schutzbedürftigkeit der Geier weltweit hingewiesen wird. Text: Dieter Haas


Den Fortgang der "Geschichte" geben wir hier in regelmäßigen Abständen wieder, indem wir die Informationen von Dieter Haas zitieren:

03.09.2017
"Gypsi ist inzwischen schon im Ausland, weit in die Schweiz hinein geflogen. Wenn er nun mal richtig Wind unter die Flügel bekommt, bei guter Thermik, ist er im Nu in Südfrankreich."

04.09.2017
"Nachdem er das Donautal weiter aufwärts gezogen ist, flog er in die Schweiz und wurde heute zuletzt in einem Wald zwischen weiten Feldfluren im schweizer Mittelland geortet. Wandertendenz SW, ihm scheints aber in unseren Mittelgebirgslandschaften noch zu gefallen."

07.09.2017
"Gypsi ist inzwischen östlich von Genf, südlich des Genfer Sees in den hohen Bergen gelandet, auf schweizer Gebiet nahe der französischen Grenze. Er sucht im Gebirge malerische Berghänge auf, sehr interessant, das im Anhang auf Google Earth zu verfolgen. Nach meiner Einschätzung hat er schon in den Freiburger Alpen Nahrung gefunden, und gliedert sich nun wohl in die wachsende Übersommerer-Population der Westalpen ein, die dort voraussichtlich schon im September wieder großteils abzieht."

10.09.2017
"Gypsi scheint ein echter Hochgebirgsfan zu sein, und treibt sich weiterhin an Berghängen direkt nördlich von Mt Blanc und Matterhorn herumg. Er hat zweifellos Anschluss an Artgenossen der Westalpen-Sommerpopulation und Nahrung gefunden."

15.09.2017
"Gypsi verhält sich anders als von uns zunächst erwartet. Er hat sich nicht der Übersommerer-Population angeschlossen, sondern den Rückweg über schöne Alpenregionen (Vierwaldstätter See, Säntis) eingeschlagen, und ist heute östlich von Ulm im Donaumoos gelandet. Wahrscheinlich gelingt Ornithologen vor Ort dort morgen früh eine Sichtbeobachtung. Im Donautal liegt reichlich Futter aus, es ist aber unwahrscheinlich, dass er dahin zurückkehrt. Seine Route verläuft weiter östlich. Es kann gut sein, dass er in den nächsten Tagen, bei gutem Wind vielleicht schon morgen wieder bei der Rennsteigfalknerei auftaucht, falls zu "seiner Freundin" dort schon eine engere Bindung entstanden ist. Ich habe dort gebeten, vorsorglich reichlich Futter auf der Geiervoliere auszulegen, möglichst vor einer installierten Wildkamera, damit Gypsi dort ggf nicht zu gefährlichen weiten Suchflügen (bei den WKAs) genötigt ist. Ich werde weiter berichten."


Fotos: Bernhard Etspüler, 19.09.2017
 



 



 

22.09.2017
"Gypsi befindet sich nach seiner Alpentour immer noch im Langenauer Ried, und fühlt sich dort recht wohl, konnte mich gestern Abend wieder davon überzeugen. Interessanterweise suchte er zum längeren Verweilen ein Biotop auf, das dem des erstmals wieder in Deutschland überwinternd nachgewiesenen Gänsegeiers (der "Pfalzgeier" zwischen Worms und Trier, ein Altvogel) sehr ähnlich ist: eine sehr weite, weitgehend offene, ungestörte topfebene Feldlandschaft, in der auch das Auftauchen einzelner Großtrappen nicht sehr überraschen würde. Jeweils bestanden mit einzelnen höheren Bäumen/Baumgruppen, die der Geier als Schlafplatz nutzt. Wie lange er dort bleibt, weiß der Geier, wir und die Beobachter vor Ort."


Kommentar: Trotz der kleinen Ortsveränderung bleibt "Gypsi" also weiterhin in der Gegend. Er wird vor Ort betreut und die meisten Beobachter verhalten sich sehr diszipliniert. Trotzdem gibt es Streitgespräche darüber, ob man solche Vorgänge und Beobachtung öffentlich machen soll oder nicht. Der Webmaster dieser Geier-Seiten bezieht hierzu ausdrücklich keine Position. Jedoch wird die Internet-Quelle, wo man die Bewegungen des Vogels nachverfolgen kann, im Gegensatz zum "Mössingen-Geier" von 2016 aufgrund eines Beschlusses der Verantwortlichen ausdrücklich nicht veröffentlicht.


30.09.2017
"Heute hat sich Gypsi etwas aus seinem guten Nahrungshabitat bewegt, ist gut 3 km nach SW geflogen und hat auf einem Baum, vermutlich einer hohen Pappel wohl zum Übernachten aufgebaumt. Er wurde entlang des mäandrierenden Flusses Lau 2 mal geortet, hat dort vielleicht getrunken und/oder gebadet. Da er weiter nördlich noch reichlich gute Nahrung vorfindet, ist eine neue Auslegung sicher derzeit nicht erforderlich."

05.10.2017
"Gypsi ist heute wieder spät aufgebrochen und hat sich mit dem starken Westwind ca. 250 km nach Osten tragen lassen. Er hat nicht das nördliche Mittelgebirge und nicht die südlichen Alpen angesteuert, sondern ein ähnliches Habitat wie in den letzten Tagen ausgesucht: eine weite Agrarlandschaft mit abgeernteten Feldern und Baumreihen, und sich wieder eine Baumkrone zum Übernachten ausgesucht."



Foto: Dieter Haas, 27.09.2017

Mit der Verdriftung nach Westen hat sich nun aber innerhalb kürzester Zeit eine neue Situation ergeben, denn "Gypsi" ist offenbar stark geschwächt im Zoo Schmiding in Krenglbach (Oberösterreich, 40km von Linz entfernt) gelandet. Auf dem dortigen Gelände werden u.a. mehrere Geier-Arten in einer großen Freiflugvoliere gehalten.

07.10.2017
Frau Artmann vom Zoo Schmiding teilt mit: "Der besagte Geier ist tatsächlich bei uns - allerdings leider in der Pflegestation. Wir wurden am Donnerstagabend von einem Landwirt informiert, der den Geier am Boden sitzend auf einem Feldweg vorgefunden hat. Als unser Team ankam und Futter anbot, hat "Gypsi" dem Tierpfleger sofort aus der Hand gefressen. Offensichtlich war "Gypsi" äußerst hungrig und er wirkte geschwächt

und nass (durch den Regen bedingt). Eindeutige aktuelle äußere Verletzungen konnten jedoch nicht festgestellt werden.
Inzwischen geht es ihm besser - er frisst gut, sollte aus unserer Einschätzung allerdings noch einige Zeit in geschützter Umgebung verbringen."

09.10.2017
Dieter Haas schreibt: "Ich bin nun froh, dass er am Mittwoch in den Zoo Salzburg überführt werden kann, unter Leitung von Fr. Dr. Wiesner, die auch erfreulicherweise einen Gesundheitscheck schon am Mittwoch zugesagt (Ganzkörper-Röntgenaufnahme zur Untersuchung auf Schrotschussverletzungen und auf Bleisplitter im Magen und eine Blutabnahme zur Ermittlung einer möglichen Bleibelastung) und angeboten hat, den GPS-Sender auszulesen. In Salzburg ist dann vorgesehen, Gypsi unmittelbar an der Geiereinflugschneise zu füttern und ihn freizulassen, wenn er genügend Kontakt zu den wild lebenden Artgenossen aufgenommen hat. Das wird voraussichtlich noch ein bis zwei Wochen benötigen."

 

zur Datensammlung

zur Geier-Grundseite