9 Nachtfalter im Zollernalbkreis - Noctuoidea
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Nachtfalter im Zollernalbkreis:
          Eulenfalter und Bärenspinner (Noctuoidea) - Teil 4b

Die Überfamilie der Noctuoidea ist weltweit die größte Schmetterlingsfamilie (mit derzeit ca. 35.000 Arten), in Baden-Württemberg sind davon etwas mehr als 500 Arten in 4 Familien und insgesamt 36 Unterfamilien beheimatet. Erst im Jahr 2006 wurde die Familie taxonomisch erweitert und z.B. auch die Bärenspinner (Arctiidae) und die Trägspinner (Lymantriidae) als Unterfamilie eingefügt. Jetzt erfolgte eine neue Revision unter Berücksichtigung genetischer Merkmale.

Bei so einer umfangreichen Familie weisen nicht mehr alle Angehörigen der Familie gemeinsame äußerliche Merkmale auf. Als "Eulen-typisch" könnte der kräftige, oft stark behaarte Körper, gestreckte schmale bis mäßig breite Flügel und die Ruhestellung mit flach oder "dachförmig" über dem Hinterleib zusammengelegten Flügeln gelten. Charakteristisch ist die Flügelzeichnung, die nur aus einer kleinen Anzahl von vielfach variierten Elementen, der so genannten "Eulenzeichnung" besteht. Diese gemeinsamen Merkmale treten allerdings erst bei den entwicklungs­geschichtlich jüngeren Gruppen der Familie auf.

Die einzelnen Familien sind mit so unterschiedlichen Artenzahlen vertreten, dass wir mehrere Unterseiten erstellt haben. Wie bei den Spannern wird der Vorspann jedoch auf allen Seiten abgedruckt.

Die Familie der Noctuidae schloss früher auch die meisten Arten der jetzt in den Familien Nolidae und Erebidae geführten Arten mit ein. Die aktuelle Familie enthält nur noch die sogenannten "trifinen" Unterfamilien (= benannt nach der Ausprägung der Flügeladern). Manche Arten ähneln denen der Erebidae, weil ihre Raupen nur zwei gut entwickelte Bauchbeinpaare aufweisen. Die meisten Arten entsprechen jedoch der landläufigen Vorstellung eines "Eulenfalters" mir kräftigem Körper, schmalen Flügeln und der typischen Eulenzeichnung.

 
 

Familie:
Unterfamilie:
 
 

Notodontidae
 
 
 

Erebidae
 
 
 

Nolidae
 
 
 

Noctuidae
Plusiinae

Amphipyrinae
 


Eustrotiinae

Psaphidinae
 


Pantheinae

Oncocnemidinae
 


Dilobinae

Heliothinae
 


Acronictinae

Bryophilinae
 


Metoponiinae

Xyleninae
 


Cuculliinae

Hadeninae
Noctuinae



(Xyleninae 1)

Die große und recht heterogene Unterfamilie der Xyleninae ist weltweit vertreten und umfasst insgesamt 5.500 Arten. In Baden-Württemberg gehören 151 Arten dazu. Die meisten der im Spätherbst fliegenden und als Falter überwinternden Arten gehören in diese Unterfamilie. 81 der Arten erscheinen noch ungefährdet, je 10 sind schon ausgestorben bzw. vom Aussterben bedroht.


Marmoriertes Gebüscheulchen (Elaphria venustula)



Haigerloch-Stetten, 10.06.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.06.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 09.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Das Marmorierte Gebüscheulchen, das auf den ersten Blick wegen der geringen Größe oft nicht als Eulenfalter erkannt werden mag, ist in ganz Baden-Württemberg verbreitet, weist jedoch u.a. auf der Schwäbischen Alb offenbar eine Verbreitungslücke auf.

Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis Juli in einer Vielzahl von Lebensräumen. Raupen sind von Juni bis August u.a. an verschiedenen Rosengewächsen wie Brombeere (Rubus fruticosus) oder Fingerkraut (Potentilla spec.) zu finden, deren Blüten sie gerne fressen. Die Puppen überwintern.



Knöterich-Seidenglanzeule (Spodoptera exigua)



Geislingen, 31.08.2015 (Foto: B. Schlude)



Geislingen, 31.08.2015 (Foto: B. Schlude)



Haigerloch-Stetten, 16.09.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 23.09.2015 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 25.09.2015 (Foto: F. Treuz)


Spodoptera exigua kommt vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde vor und in Europa dürfte sie bestenfalls in den Mittelmeerländern bodenständig sein. In unser Bundesland wandert die Art nur sporadisch ein und bis 1996 (= Drucklegung des Grundlagenwerks von EBERT) gab es auch nur 75 Nachweise.

Einflüge wurden zwischen Mai und Oktober registriert, meist aber im August/ Septem­ber. Dabei ist es denkbar, dass die späteren


Falter schon Nachkommen von im Frühjahr eingewanderten Faltern sind, aber sie können auch von Raupen stammen, die mit Gemüse oder Früchten eingeschleppt wurden.

Die Raupen sind außerordentlich polyphag, so dass sie je nach Region an ganz unterschiedlichen Nutzpflanzen sogar schädlich werden können.



Morpheus-Staubeule (Caradrina morpheus)



Haigerloch-Stetten, 26.06.2008 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 19.07.2009 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 05.07.2014 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 26.06.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 07.07.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 07.07.2018 (Foto: H. Fuchs)


Die Morpheus-Staubeule tritt wohl weitgehend nur lokal auf, ist aber über das ganze Land verbreitet. Die Falter fliegen in einer Generation im Juni/ Juli vor allem an frischen bis feuchten, oft nährstoffreichen Stellen mit dichter Krautschicht. Dabei kann es sich ebenso um Staudenfluren an Wegböschungen, Gebüschen und Waldrändern handeln wie um Ruderalfluren im Agrar- und Siedlungsbereich.

Die Raupen leben im September/ Oktober polyphag an vielerlei Pflanzen. In Baden-Württemberg nachgewiesen sind u.a. Wegwarte (Cichorium intybus), Waldrebe (Clematis vitelba) und Thymian (Thymus spec.). Die Überwinterung ist offenbar in verschiedenen Larvalstadien möglich, aber auch bereits eingesponnen im Kokon, in dem sich die Raupe dann im Frühjahr verpuppt.



Kadens Staubeule (Caradrina kadenii) - RL D



Haigerloch-Stetten, 21.09.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 26.06.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 06.07.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 25.09.2015 (Foto: H. Fuchs)


Die ursprünglich nur in Südeuropa bis auf die Linie der südlichen Alpentäler bis Rumänien verbreitete Staubeule breitet sich seit der Jahrhundertwende wohl als Klima-Gewinner über Südwest-Deutschland nach Norden aus und ist seither bis Mittelfranken und ins Moseltal vorgestoßen. Im Zollern­albkreis konnte sie erstmals Ende Juni 2015 nachgewiesen werden.

Die Falter fliegen in zwei Generationen von Mai bis Juli und von August bis Oktober in meist trockenwarmen Offenland-Lebensräumen, vielfach auch im Siedlungsbereich auf Brachflächen. Die Raupen leben von September, überwinternd, bis April und dann im Juni/ Juli an allerlei krautigen Pflanzen.



Gelbbraune Staubeule (Hoplodrina octogenaria)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 24.06.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 18.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Einige Staubeulen-Arten sind nur schwer zu unterscheiden, wenn sie nicht mehr ganz frisch sind. Die Gelbbraune Staubeule gehört wie die folgende Art zu den weitverbreiteten Arten, die auch in Städten gefunden werden. Die Falter fliegen in einer Generation von Juni bis August in den meisten halboffenen und offenen Lebensräumen des mesophilen Bereichs, vor allem in gebüschreichen, trockenen bis mäßig feuchten Säumen und versaumenden Rasen und Wiesen.

Die Raupen überwintern und sind in Baden-Württemberg seither nur im Frühjahr gefunden worden. Es ist davon auszugehen, dass auch diese Hoplodrina-Art polyphag von Pflanzen der Krautschicht lebt, abgesichert ist das aus unserem Bundesland jedoch nicht. Der Grund dafür mag die ausschließlich nächtliche Fraß-Aktivität sein. Die Verpuppung erfolgt anschließend in einer Erdhöhle.



Graubraune Staubeule (Hoplodrina blanda)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 28.06.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 10.07.2016 (Foto: H. Fuchs)


Die Graubraune Staubeule ist ähnlich verbreitet wie die vorige Art und auf der Schwäbischen Alb sind die beiden Arten laut EBERT auch gleich häufig. Die Falter fliegen in einer Generation hauptsächlich im Juli und August. Das ist also etwas später als die vorige Art, doch die Lebensräume sind wohl identisch.

Auch die Raupen dieser Art überwintern und trotz ihrer Häufigkeit liegen nur wenig konkrete Angaben zu den Nahrungspflanzen vor. Nachgewiesen sind wohl u.a. Sauerampfer (Rumex acetosa), Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa).



Gelbgraue Felsflur-Staubeule (Hoplodrina superstes) - RL V



Haigerloch-Stetten, 12.07.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 16.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 02.08.2016 (Foto: H. Fuchs)


Hoplodrina superstes ist in Baden-Württemberg nur lokal verbreitet. Es sind zwar alte Vorkommen aus den Muschel­kalk­gebieten des Neckartales und von der Schwäbischen Alb bekannt, im Zollernalb­kreis wurde sie jedoch 2014 erstmals nachgewiesen.

Die Falter fliegen im Juli/ August in warm­trockenen Lebensräumen mit offen zutage tretendem Untergrund, wie das z.B. an Rutschungen, Felsfluren und Geröllhalden oder Steinbrüchen aber auch in lückigen Halbtrockenrasen und Wacholderheiden der Fall ist.

Nach Literaturangaben lebt die Raupe überwinternd von Herbst bis ins Frühjahr. Nähere Angaben aus Baden-Württemberg liegen jedoch ebensowenig vor wie über die Nahrungspflanzen.



Graue Felsflur-Staubeule (Hoplodrina respersa)



Grosselfingen, 06.06.2014 (Foto: R. Zwiener)



Haigerloch, 19.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 14.06.2014 (Foto: H. Fuchs)


Wie die vorige, seltenere Art bevorzugt Hoplodrina respersa felsig-geröllige Pioniergesellschaften. Die Falter sind im Juni/ Juli in trockenen, nicht unbedingt warmen Bereichen zu finden und kommen deshalb auch im Schwarzwald vor.

Die Raupen leben überwinternd von Herbst bis Anfang Mai. Auch über deren Nahrungspflanzen ist nur wenig bekannt. D.BARTSCH und A.STEINER fanden einmal tagsüber im Boden ruhende Raupen unter befressenen Wucherblumen (Chrysanthemum spec.).



Hellbraune Staubeule (Hoplodrina ambigua)



Haigerloch-Stetten, 30.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Balingen, 15.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 17.09.2014 (Foto: F. Treuz)



Lichtanflug ♀ - Eier abgelegt am 02.06.2018
06.06.2014 (Foto: F. Treuz)


Die Hellbraune Staubeule ist im ganzen Land verbreitet, nur auf der Schwäbischen Alb kommt sie seltener vor. Die Falter fliegen in klimatisch günstigeren Gebieten (mitunter sogar noch auf der Alb) in zwei, sonst in einer Generation zwischen Juni und September in trockenwarmen Lebens­räumen, wie das u.a. an südexponierten Hängen, Halbtrockenrasen, Geröllfluren und Steinbrüchen der Fall ist.

Die überwinternden Raupen werden von Herbst bis April gefunden, über die Raupen der 2. Generation liegen noch keine Angaben vor. Auch diese Art frisst wohl an einer Vielzahl von krautigen Pflanzen, aus unserem Bundesland ist jedoch seither nur die Königskerze (Verbascum spec.) bekannt.



Dreilinieneule (Charanyca trigrammica)



Haigerloch-Stetten, 30.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Balingen, 15.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Form pallidalinea
Haigerloch-Stetten, 13.05.2017 (Foto: H. Fuchs)


Die Dreilinieneule gehört zu den weit verbreiteten Noctuidenarten. Die Flugzeit beginnt im Mai und hält bis in den Juli an. Die Falter sind in vielerlei Offenlandhabitaten anzutreffen - von trocken bis feucht, auch im Siedlungsgebiet.

Über die Raupen gibt es aus Baden-Württemberg keine gesicherten Erkenntnisse. In anderen Gegenden sind unter anderem Wegerich und Ampfer (Plantago bzw. Rumex spec.) als Nahrungspflanzen genannt. Auch die Raupen der Dreilinieneule überwintern.



Dunkle Waldschatteneule (Rusina ferruginea)



Geislingen, 06.07.2013 (Foto: B. Schlude)



Geislingen, 06.07.2013 (Foto: B. Schlude)



Haigerloch-Stetten, 06.06.2014 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen, 30.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 26.06.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 01.06.2017 (Foto: H. Fuchs)


Die Dunkle Waldschatteneule ist im Lande vermutlich flächendeckend vertreten. Die Falter fliegen vorwiegend im Juni/ Juli an mäßig frischen bis feuchten Stellen im Inneren von Wäldern und Gebüschen und in der Umgebung. Außerhalb der Wälder dürfte sie Entwicklungshabitate an den Schatten­seiten von Hecken und Gebüschen, wohl auch in feuchten Hochstaudenfluren und Saumgesellschaften haben, auch im Siedlungsbereich wird sie regelmäßig gefunden.

Die Raupen leben überwinternd von November bis Mai polyphag an einer Reihe von Kräutern und Stauden, z.B. Wiesen-Storch­schnabel (Geranium pratense), Ampfer (Rumex spec.) und Erdbeere (Fragaria spec.).



Gelbe Blatteule (Enargia paleacea)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2014 (Foto: H. Fuchs)


Enargia paleacea ist in Baden-Württemberg schwerpunktmäßig in den Flusstälern verbreitet. Daneben kommt sie in birkenreichen Wäldern in Hang- und Kuppenlagen vor, während sie wohl auf der Schwäbischen Alb ganz fehlt.

Die Falter fliegen wohl vorwiegend im Juli/ August im Bereich von Waldmantel- und Sukzessionsgesellschaften mit Zitterpappelgebüschen sowie in feuchten Weichholz­beständen innerhalb von Waldgebieten.

Die Raupen leben im Mai/ Juni an Pappeln (Populus spec.), gerne an der Zitterpappel (Populus tremula).



Weidenbusch-Blatteule (Ipimorpha retusa)



Haigerloch, 27.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch, 19.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2014 (Foto: H. Fuchs)


Die Weidenbusch-Blatteule ist vor allem entlang der Flusstäler in niedrigen und mittleren Lagen verbreitet. Die Falter fliegen im Juli/ August im Bereich von kleinen bis großflächigen Weidengebüschen in den Uferzonen von Gewässern, auch in Wäldern.

Die Raupen leben wohl vorwiegend im Mai/ Juni von Jugend an zwischen zusammengesponnenen Triebspitzen an verschiedenen Weiden-Arten, gerne an Grau-Weide (Salix cinerea).



Pappel-Blatteule (Ipimorpha subtusa)



Haigerloch-Stetten, 21.08.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2014 (Foto: H. Fuchs)


Die Pappel-Blatteule lebt im Prinzip in denselben Habitaten wie die vorige Art, sie ist aber seltener, obwohl sie auch in höheren Lagen des Schwarzwaldes oder der Schwäbischen Alb vorkommt.

Neben den Feuchtgebiets-Lebensräumen der vorigen Art fliegen die Falter von Juni bis August auch im Bereich von trockeneren Habitaten in gepflanzten Pappel-Beständen.

Die Raupen leben hauptsächlich im Mai/ Juni an Pappeln (Populus spec.).



Rotbraune Ulmeneule (Cosmia affinis) - RL V



Haigerloch-Stetten, 16.08.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 16.08.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 16.08.2018 (Foto: H. Fuchs)


Cosmia affinis ist als Auwald-Art besonders entlang des Rheins verbreitet. Außerhalb dieses Bereichs gibt es nur relativ wenige Fundorte. Im Zollernalbkreis konnte sie 2018 zum ersten Mal nachgewiesen werden.

Die Flugzeit erstreckt sich von Ende Juni bis Mitte Oktober, so dass man an zwei Generationen denken kann. Das ist aber noch nciht sicher nachgewiesen. Die Art besiedelt ulmenreiche Laubwälder und Waldrandbereiche besonders von Buchen-Eichen-Hainbuchenwäldern, besonders die stark strukturierten Waldmäntel und vorgelagerte Gebüschzonen.

Das Ei überwintert. Die wenigen Raupenfunde aus Baden-Württemberg liegen zwischen Anfang Mai und Anfang Juni. Haupt-Nahrungspflanze sind Ulmen-Arten (Ulmus spec.), doch gelegentlich wohl auch andere Laubhölzer.



Trapezeule (Cosmia trapezina)



Haigerloch-Stetten, 06.08.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Hechingen, 12.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 02.08.2016 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 17.06.2015 (Foto: F. Treuz)


Die Trapezeule ist in allen Naturräumen des Landes verbreitet. Die Falter fliegen vorwiegend von Juli bis September in allen möglichen Laub- und Mischwaldtypen. Sie kann sich aber auch weit außerhalb des Waldes entwickeln, in Einzelbäumen ebenso wie in Hecken und Gebüschen des Siedlungsbereichs.

Die tag- und nachaktiven Raupen leben ab April bis Juni an einer Vielzahl von krautigen und holzigen Pflanzen. Daneben ist


bekannt, dass die Raupe in beengten Verhältnissen auch Artgenossen bzw. andere Raupen frisst bzw. aussaugt, was ihr auch den Namen "Mordraupe" eingebracht hat.



Violettbraune Ulmeneule (Cosmia pyralina)



Haigerloch-Stetten, 24.06.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 26.06.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.07.2010 (Foto: H. Fuchs)


Cosmia pyralina bewohnt vor allem die wärmeren und die gemäßigten Gebiete des Landes, von daher ist sie auf der Schwäbischen Alb selten. Die Falter fliegen zwischen Juni und August in trockenen bis feuchten Laubmischwäldern und Gebüschgesellschaften. Gerne findet sie sich in Waldrandbereichen und den dortigen Gebüschen, aber auch in Streuobstwiesen und im Siedlungsbereich.

Die Raupe wird selten gefunden. Sie lebt vermutlich nur im Mai an den Schösslingen verschiedener Laubgehölze, neben Ulme (Ulmus spec.) auch an Apfel (Malus domestica) oder Schlehe (Prunus spinosa).



Birnbaumeule (Atethmia ambusta) - RL 3



Haigerloch-Stetten, 24.08.2017 (Foto: H. Fuchs)


Wie der Name zurecht vermuten lässt, ist die Birneneule wohl ein Kulturfolger, deren Raupen ausschließlich von der Gartenbirne (Pyrus communis) abhängig sind - Wildbirnen in Wäldern als Nahrungspflanzen sind bisher noch nicht nachgewiesen. Die seitherigen Funde aus Baden-Württemberg liegen alle in klimatisch begünstigten Gebieten, so dass der Erstnachweis im Zollernalbkreis erneut eine Besonderheit darstellt.

Die Falter fliegen in einer sehr kurzen Flugzeit von Mitte August bis Mitte September im Bereich von Streuobstbeständen, Birnbaumalleen aber durchaus auch an einzeln stehenden Birnbäumen, wobei sie sich laut EBERT nie weit von den Bäumen entfernen.

Das Ei überwintert, Raupen werden dann von Mitte April bis Mitte Mai gefunden.



Ockergelbe Escheneule (Atethmia centrago)



Haigerloch-Stetten, 01.09.2016 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen, 05.09.2014 (Foto: B. Schlude)



Haigerloch-Stetten, 04.09.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.08.2013 (Foto: H. Fuchs)


Atethmia centrago ist vor allem in der Oberrheinebene und im Neckar-Tauberland verbreitet, daneben kommt sie am Nordrand der Schwäbischen Alb vor. Die Falter fliegen im August/ September in eschenreichen Laubwäldern, aber auch in feuchten bis mäßig trockenen Buchenwald-Gesellschaften.

Die Raupen leben im März/ April monophag an Esche (Fraxinus excelsior). Die Jung­raupen bohren sich direkt nach dem Schlupf in die Knospen ein. Ältere Raupen verstecken sich tagsüber am Boden und erklettern abends die Bäume zum Fressen. Die Verpuppung erfolgt in einer Erdhöhle am Boden.



Schwarzes Ordensband (Mormo maura) - RL V



Totfund in Wintergarten
Haigerloch, 19.08.2014 (Foto: H. Fuchs)



Totfund in Wintergarten
Haigerloch, 19.08.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 23.08.2016 (Foto: H. Fuchs)
 



Haigerloch-Stetten, 23.08.2016 (Foto: H. Fuchs)


Die große, düster gefärbte Mormo maura scheint früher die Menschen erschreckt zu haben, wenn sie sich nachts in die Häuser verirrte, denn sie erhielt den Namen "Gespensteule". Sie ist eine Charakterart der Uferzonen stehender und fließender Gewässer. Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise ist ihre Verbreitung im Land jedoch unklar.

Die Falter fliegen zwischen Juli und Sep­tember in der gewässerbegleitenden Vegetation, auch innerhalb von Ort­schaften. Tagüber ruhen sie gerne unter Brücken oder in großen Abflussrohren in unmittelbarer Wassernähe.

Die Raupen leben ab Herbst überwinternd von März bis Juni polyphag an vielerlei niedrigen Kräutern, Stauden, Sträuchern und jungen Bäumen. Sie ruhen tagsüber in der


Krautschicht oder an der Stammbasis von Bäumen und erklettern nachts ihre Nahrungspflanzen.



Bunte Ligustereule (Polyphaenis sericata)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 18.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 18.07.2014 (Foto: F. Treuz)


Die hübsch gefärbte Bunte Ligustereule hat ihren Verbreitungsschwerpunkt innerhalb des Landes im Bereich der Schwäbischen Alb, im Neckarland und den Oberen Gäuen.

Die Falter fliegen im Juli/ August im Bereich von Gebüschen mit hohem Liguster-Anteil, in erster Linie die Schlehen-Hartriegel-Ligustergebüsche, wie sie sich z.B. an den Kalk-Buchen-Wäldern der Schwäbischen Alb entlang ziehen oder das sich auf versaumenden Halbtrockenrasen und Wacholderheiden entwickelt. Ebenso sind sie im Siedlungsgebiet im Bereich gepflanzter Ligusterhecken zu finden.

Die Raupen leben ab Herbst überwinternd bis Mai in denselben Gebieten, wenigstens nach der Überwinterung fast ausschließlich an Liguster (Ligustrum vulgare).



Gelbflügel-Raseneule (Thalpophila matura)



Haigerloch-Stetten, 18.08.2012 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 02.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 13.08.2008 (Foto: H. Fuchs)


Die Gelbflügel-Raseneule ist in etlichen Regionen des Landes weit und dicht verbreitet. Nur im Schwarzwald und in Oberschwaben sind die Vorkommen auf Randbereiche beschränkt.

Die Falter fliegen hauptsächlich im August in verschiedenen Graslandbiotopen im Freiland, z.B. gerne am Rand von Halbtrockenrasen und Wacholderheiden oder Salbei-Glatthaferwiesen, sowie in Waldlichtungen und an Waldrändern.

Die überwinternden Raupen sind auch in warmen Winternächten aktiv. Im Frühjahr können sie bis April gefunden werden, wo sie nachts vorwiegend am Wiesen-Schwingel (Festuca pratensis), möglicherweise auch an anderen Grasarten fressen.



Haigerloch-Stetten, 09.08.2018 (Foto: H. Fuchs)



Meldeneule (Trachea atriplicis)



Haigerloch-Stetten, 12.06.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 12.06.2018 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 12.06.2018 (Foto: F. Treuz)



Totfund
Haigerloch-Stetten, 28.07.2007 (Foto: H. Fuchs)


Die Meldeneule ist hauptsächlich in der Oberrheinischen Tiefebene und den angrenzenden Gebieten verbreitet. Abgesehen von einem Nachweis bei Tübingen und einem Totfund in Haigerloch-Stetten im Jahr 2007 wurde diese Art in unserer Gegend auch im weiteren Umkreis seither noch nicht nachgewiesen.

Die Falter fliegen in einer Generation von Juni bis Mitte August in stickstoffreichen Ruderal- und Unkrautfluren an Straßen- und Wegrändern - auch im Siedlungsbereich. Die eigentlich kalkmeidende Art hat ihr Optimum auf Silikat- und Sandböden.

Die Raupen werden im Juli/ August hauptsächlich an Ampfer (Rumex), Knöterich (Polygonum), Gänsefuß (Chenopodium) und Melde (Atriplex), aber wohl auch an Winde (Convolvulus) gefunden. Die Puppe überwintert.



Heidelbeer-Stricheule (Hyppa rectilinea)



Bitz, 20.06.2017 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 20.06.2017 (Foto: F. Treuz)


Die Heidelbeer-Stricheule hat im Schwarz­wald und im Alpenvorland ihre größte Verbreitungsdichte. In unserem Raum gab es laut InsectIS abgesehen von einer Beobachtung bei Hechingen 1988 seither keine Nachweise.

Die Falter fliegen hauptsächlich im Juni/ Juli im Bereich von heidelbeerreichen, meist frischen bis feuchten, mikroklimatisch kühleren Stellen im Inneren oder am Rand montaner Tannen-Fichtenwälder und Heidelbeer-Heidekraut-Heiden.


Die Raupe lebt an Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und überwintert.



Vielzahn-Johanniskrauteule (Actinotia polyodon)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 10.07.2015 (Foto: F. Treuz)



Hechingen, 29.07.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.07.2017 (Foto: H. Fuchs)


Obwohl Actinotia polyodon zu den häufigeren Arten gehören soll, wurde diese schöne Eule in unserem Raum seither nur selten gefunden.

Die Falter fliegen im Mai/ Juni und eine wohl unvollständige zweite Generation bis in den August im Bereich von Johanniskraut-Beständen an besonnten Stellen in Säumen, versaumenden Magerrasen, in Staudenfluren um Gebüsche und warme Waldmäntel oder auch in siedlungsnahen Ruderalfluren.

Die Raupen leben wohl zwischen Juli und September vorwiegend am echten Johanniskraut (Hypericum perfoliatum), wo sie in erster Linie die Blüten und Früchte fressen.



Gelbfleck-Waldschatteneule (Euplexia lucipara)



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch, 06.06.2014 (Foto: H. Fuchs)


Euplexia lucipara gehört zu den am weitesten verbreiteten Eulenarten im Land. Die Falter fliegen von Mai bis August mit Vorliebe an schattigen, oft kühlen Plätzen in oder am Rand von Laub-, Misch- und Nadelwäldern. Im Waldrandbereich besiedelt sie gerne nordseitige oder halbschattige Säume, Staudenfluren und Gebüsche. An ähnlichen Stellen kommt sie auch im Siedlungsbereich vor.

Die Raupen leben vorwiegend von Mitte August bis Anfang Oktober an allerlei Pflanzen kühler Standorte. Vorwiegend sind es Kräuter und Stauden, aber auch Laubsträucher wie Hasel (Corylus avellana) oder Erle (Alnus spec.) gehören dazu.



Berberitzeneule (Auchmis detersa) - RL V



Haigerloch-Stetten, 22.07.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 13.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 27.08.2015 (Foto: H. Fuchs)


Die Berberitzeneule besiedelt aktuell hauptsächlich die Schwäbische Alb und die angrenzenden Teile des Neckarlandes und der Oberen Gäue.

Die Falter fliegen in einer langen Flugperiode von Juni bis September im Bereich von berberitzenreichen Gebüschen, Waldmänteln und Saumgesellschaften, wie sie am Rand lichter, trockener Wälder, in Hecken und in Gebüschen im Bereich von Wacholderheiden und Halbtrockenrasen zu finden sind. In etlichen Gegenden konnten in den Siedlungen mit gepflanzten Berberitzensträuchern neue Lebensräume erschlossen werden.

Die Raupen leben überwinternd bis in den Mai ausschließlich an der Berberitze (Berberis vulgaris), neuerdings wohl auch an der gepflanzten Berberis thunbergii und ihrer Form "atropurpurea".



Achateule (Phlogophora meticulosa)



Haigerloch-Stetten, 04.10.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 08.09.2007 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.09.2012 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.10.2014 (Foto: H. Fuchs)
 



Haigerloch-Stetten, 19.11.2014 (Foto: H. Fuchs)
Jungraupe


Als Wanderfalter tritt die Achateule in allen Naturräumen und Höhenlagen des Landes auf. Vermutlich ist sie auch überall mit Ausnahme der höchsten Stellen bodenständig und kann sich fortpflanzen.

Die Falter sind zwischen Januar und Dezember in allen Monaten des Jahres nachgewiesen, doch zeichnen sich wenigstens zwei Generationen ab: eine schwächere im Mai bis Juli und eine wesentlich individuenstärkere von August bis November.


Die Falter können auf ihren Wanderung in allen Biotoptypen auftauchen. Die Larvalentwicklung läuft jedoch bevorzugt in Offenlandhabitaten wie Waldrändern und Gebüschen vorgelagerte Säume und Wiesen und Staudenfluren in Wäldern und an Waldrändern.

Die Raupen der ersten Generation sind ab November durchgehend bis in den März zu finden, die der Sommer-Generation wieder ab Ende Juni. Sie fressen polyphag ohne irgendwelche erkennbaren Vorlieben an allen Arten von krautigen Pflanzen und Stauden - auch im Siedlungsbereich, wo sie mitunter an Balkonpflanzen gefunden werden.



Smaragdeule (Phlogophora scita)



Bitz, 02.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 02.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 02.07.2018 (Foto: F. Treuz)


Die Smaragdeule kommt laut EBERT als typisches Mittelgebirgstier vor allem im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb einschließlich der dazwischen liegenden Gebiete vor. Trotzdem gibt es seither im Zollernalbkreis nur wenige, meist alte Nachweise.

Die Falter fliegen in einer Generation hauptsächlich im Juli im Bereich farnreicher Laub-, Misch- und Nadelwälder und deren Ränder.

Die Raupen leben ab Herbst vorwiegend am Wurmfarn (Dryopteris filix-mas). Im Frühjahr, nach der Überwinterung, ernähren sie sich dann bis Mai polyphag von vielen anderen Pflanzen.


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