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Nachtfalter im Zollernalbkreis:
          Eulenfalter und Bärenspinner (Noctuoidea) - Teil 4a

Die Überfamilie der Noctuoidea ist weltweit die größte Schmetterlingsfamilie (mit derzeit ca. 35.000 Arten), in Baden-Württemberg sind davon etwas mehr als 500 Arten in 4 Familien und insgesamt 36 Unterfamilien beheimatet. Erst im Jahr 2006 wurde die Familie taxonomisch erweitert und z.B. auch die Bärenspinner (Arctiidae) und die Trägspinner (Lymantriidae) als Unterfamilie eingefügt. Jetzt erfolgte eine neue Revision unter Berücksichtigung genetischer Merkmale.

Bei so einer umfangreichen Familie weisen nicht mehr alle Angehörigen der Familie gemeinsame äußerliche Merkmale auf. Als "Eulen-typisch" könnte der kräftige, oft stark behaarte Körper, gestreckte schmale bis mäßig breite Flügel und die Ruhestellung mit flach oder "dachförmig" über dem Hinterleib zusammengelegten Flügeln gelten. Charakteristisch ist die Flügelzeichnung, die nur aus einer kleinen Anzahl von vielfach variierten Elementen, der so genannten "Eulenzeichnung" besteht. Diese gemeinsamen Merkmale treten allerdings erst bei den entwicklungs­geschichtlich jüngeren Gruppen der Familie auf.

Die einzelnen Familien sind mit so unterschiedlichen Artenzahlen vertreten, dass wir mehrere Unterseiten erstellt haben. Wie bei den Spannern wird der Vorspann jedoch auf allen Seiten abgedruckt.

Die Familie der Noctuidae schloss früher auch die meisten Arten der jetzt in den Familien Nolidae und Erebidae geführten Arten mit ein. Die aktuelle Familie enthält nur noch die sogenannten "trifinen" Unterfamilien (= benannt nach der Ausprägung der Flügeladern). Manche Arten ähneln denen der Erebidae, weil ihre Raupen nur zwei gut entwickelte Bauchbeinpaare aufweisen. Die meisten Arten entsprechen jedoch der landläufigen Vorstellung eines "Eulenfalters" mit kräftigem Körper, schmalen Flügeln und der typischen Eulenzeichnung.

 
 

Familie:
Unterfamilie:
 
 

Notodontidae
 
 
 

Erebidae
 
 
 

Nolidae
 
 
 

Noctuidae
Plusiinae

Amphipyrinae
 


Eustrotiinae

Psaphidinae
 


Pantheinae

Oncocnemidinae
 


Dilobinae

Heliothinae
 


Acronictinae

Bryophilinae
 


Metoponiinae

Xyleninae
 


Cuculliinae

Hadeninae
Noctuinae



(Metoponiinae)

Zur Unterfamilie der Metoponiinae gehören in Baden-Württemberg nur zwei Gattungen mit je einer Art, von denen eine auf der Vorwarnliste steht.


Hornkraut-Tageulchen (Panemeria tenebrata) - RL V



Grosselfingen, 29.04.2011 (Foto: R. Zwiener)



Grosselfingen, 29.04.2011 (Foto: R. Zwiener)



Haigerloch-Stetten, 05.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bisingen-Zimmern, 17.05.2020 (Foto: D. Mezger)


Dieser Falter erinnert auf den ersten Blick sehr an die Zünsler der Gattung Pyrausta: Mit seinen 8 bis 10mm Flügellänge ist dieses Eulchen nämlich der Zwerg unter den Eulenfaltern, außerdem zeigt er dieselbe gelbe Hinterflügelzeichnung und dasselbe Verhalten wie diese.

Die ausschließlich tagaktiven Falter fliegen in einer Generation nur für relativ kurze Zeit im Mai auf ungedüngten Wiesen, Erdwegen und Waldrändern mit Hornkraut (Cerastium spec.) und (Stern-)Miere (Stellaria spec.). Diese sind auch die einzige Raupen-Nahrung. Auch die Falter saugen ihren Nektar am liebsten an diesen Arten, daneben auch an Vergissmeinnicht (Myosotis spec.) und Gänse­blümchen (Bellis perennis). Die Raupen verpuppen sich im Juli in einem Gespinst am Boden und überwintern meist zweimal.


Aufgrund der immer intensiveren Grünlandnutzung mit Düngung und früherem Schnitt musste das Hornkraut-Tageulchen in die Rote Liste aufgenommen werden und weil es oft übersehen wird, ist die Situation vielleicht sogar dramatischer als seither angenommen.


Ackerwinden-Trauereule (Tyta luctuosa)



Haigerloch-Owingen, 30.04.2011 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 04.07.04.2020 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.07.04.2020 (Foto: H. Fuchs)


Das Verbreitungsbild von Tyta luctuosa weist sie als wärmeliebende Art aus. Schwer­punktgebiete im Land sind das Oberrheinische Tiefland mit Ausdehnung ins benachbarte Hügelland des Kraichgaus und des Neckarbeckens. Der erste Nachweis aus unserem Raum stammt aus dem Jahr 2011: Ende April konnte ein Falter am Owinger Warren­bergle gefunden und fotografiert werden.

Die Falter fliegen in zwei sich teilweise überschneidenden Generationen von Mai bis August an warm-trockenen Stellen des Offenlandes. Raupenfunde aus unserem Land sind seither Mangelware, doch sie ernähren sich wohl vorzugsweise von Acker-Winde (Agrius convolvulus). Überwinterungsstadium ist die Puppe.



"Mönchs-Eulen" (Cuculliinae)

Die Unterfamilie der Mönchseulen trägt ihren Namen nach der charakteristischen Behaarung des Halskragens, der in der Ruhestellung nach vorn gerichtet wie eine Kapuze (= lat. cucullus) aussieht. Die meisten Raupen der in unserem Land vorkommenden 18 Arten sind nur an jeweils eine einzige Pflanzenart gebunden. Drei Arten gelten derzeit als ungefährdet, eine ist schon ausgestorben und drei vom Aussterben bedroht.


Lattich-Mönch (Cucullia lactucae) - RL V



Bitz, 23.05.2017 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 23.05.2017 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 23.05.2017 (Foto: F. Treuz)



Jungraupe
Grosselfingen, 26.06.2014 (Foto: R. Zwiener)



Raupe am Hasenlattich
Hechingen-Boll, 23.07.2017 (Foto: H. Butz)



Raupe
Burladingen-Starzeln, 18.08.2016 (Foto: H.-P. Ulrich)



Raupe verpuppungsreif
Albstadt-Ebingen, 15.07.2017 (Foto: B. Schlude)


Der Lattich-Mönch ist im Land nur lokal verbreitet und die im Vergleich zu den Raupenfunden recht spärlichen Falter-Nachweise lassen kein einheitliches Bild erkennen.

Die Falter fliegen je nach Gebiet zwischen Mai und August oft im Bereich sonniger Hasenlattichbestände im Saumbereich und auf Schlagflächen in Wäldern sowie im Randbereich von Gebüschen und auf Blockfluren und Geröllhalden.

Die auffälligen Raupen leben im Juli/ August am Hasenlattich (Prenanthes purpurea), aber auch anderen Latticharten (Lactuca spec.), der Gänsedistel (Sonchus spec.) oder Habichtskraut (Hieracium spec.).


Kräuter-Mönch (Cucullia lucifuga) - RL 2



Bitz, 07.06.2016 (Foto: F. Treuz)



Hechingen-Beuren, 25.07.2009 (Foto: W. Bartsch)



Bitz, 07.06.2016 (Foto: F. Treuz)



Oberdigisheim, 23.08.2020 (Foto: H. Fuchs)



Oberdigisheim, 23.08.2020 (Foto: H. Fuchs)


Der seltene Kräuter-Mönch kommt in Baden-Württemberg schwerpunktmäßig im Bereich Obere Gäue-Schönbuch-Rammert-Mittleres Albvorland sowie der Mittleren Kuppenalb vor.

Die Falter fliegen in zwei Generationen zwischen Mai und September an frischen bis feuchten Stellen in sonnigen Säumen und Staudenfluren, in Mähwiesen und extensiv genutzten Weiden sowie an Böschungen, Schutt­halden und Brachen.


Die Raupen leben zwischen Mai und September an verschiedenen Korbblütlern (Asteraceae) wie z.B. Schafgarbe (Achillea millefolium) oder Huflattich (Tussilago farfara).


Schatten-Mönch (Cucullia umbratica)



Haigerloch, 25.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 01.08.2017 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 20.07.2014 (Foto: F. Treuz)



♀ Bitz, 03.07.2016 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 14.08.2017 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Weildorf, 02.10.2017 (Foto: A. Fuchs)


Der Schatten-Mönch ist im ganzen Land verbreitet und diejenige unter den Mönchseulen-Arten, die am häufigsten als Falter gefunden wird. Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis August in fast allen Offenlandhabitaten, auch in Siedlungsgebieten mit Gärten.

Die Raupen leben von Juni bis September an verschiedenen Kräutern wie Gänsedistel (Sonchus spec.) aber auch an (Kopf?)Salat (Lactuca sativa) und Endivie (Cichorium endivia). Weil sie nachtaktiv sind, werden sie aber nur selten gefunden.


Kamillen-Mönch (Cucullia chamomillae) - RL V



Raupe
Rangendingen, 05.06.2011 (Foto: H. Fuchs)


Der Kamillen-Mönch ist die jahreszeitlich am frühesten fliegende Mönchseule. Sie gehört zu den selteneren Arten und wird im Land nur lokal gefunden.

Die Falter fliegen von April bis Juni im Bereich der Kamillen- und Hundskamillenbeständen in Ackerwildkraut-Gesellschaften und auf Ruderalflächen.

Die Raupen leben im Juni/ Juli an verschiedenen Pflanzen aus der Kamillen-Verwandtschaft, darunter die Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) und die Geruchlose Kamille (Matricaria perforata).


Braunwurz-Mönch (Cucullia scrophulariae)



Raupe
Grosselfingen, 14.07.2013 (Foto: A. Speidel)



Raupe
Hechingen, 12.07.2013 (Foto: H.-P. Ulrich)



Raupe
Balingen, 13.07.2019 (Foto: D. Mezger)



Onstmettingen, 23.06.2020 (Foto: H. Fuchs)



Onstmettingen, 23.06.2020 (Foto: H. Fuchs)


Der Braunwurz-Mönch ist in Baden-Württemberg besonders in den wald­reichen Gegenden verbreitet. Aus dem Zollernalbkreis gibt es jedoch keine älteren Nachweise.

Die Falter fliegen von Mai bis Juli in lichten Laubwäldern mit Beständen der Knotigen und andern Braunwurzarten an Wald­wegen und in Hochstaudenfluren an Waldrändern.


Die Raupen leben von Juni bis September an verschiedenen Braunwurz-Arten, häufig an der Knotigen Braunwurz (Scrophularia nodosa). Sie leben ganz offen wie die ähnlich auffallend ("abschreckend"?) gefärbten Raupen der übrigen "Braunen Mönche".


Später Königskerzen-Mönch (Cucullia lychnitis) - RL V



Hermannsdorf, 09.08.2020 (Foto: F. Treuz)



Hermannsdorf, 09.08.2020 (Foto: F. Treuz)



Hermannsdorf, 09.08.2020 (Foto: F. Treuz)



Hermannsdorf, 09.08.2020 (Foto: S. Treuz)


Obwohl laut EBERT die Schwäbische Alb ein recht gut besetztes Teilareal darstellt, wurde die Art im Zollernalbkreis erstmals 2020 nachgewiesen - durch einen Raupenfund. Das passt allerdings zur Aussage, wonach die Art selten als Falter gefunden wird.

Wie der wissenschaftliche Name zurecht vermuten lässt, besiedelt Cucullia lychnitis vorwiegend Standorte der Mehligen Königskerze (Verbascum lychnitis) an offfenen, besonnten und trockenen, gern felsigen Stellen in Kalkmagerrasen und Schafweiden.

Die Raupen werden hauptsächlich im Juli und August gefunden. Die Verpuppung erfolg in einem festen Kokon an der Erdoberfläche. Die Puppen überliegen oft - nachweislich bis zu 7 Jahre.


Königskerzen-Mönch (Cucullia verbasci)



ex Larva-Zucht
Bitz, 09.05.2016 (Foto: F. Treuz)



ex Larva-Zucht
Bitz, 09.05.2016 (Foto: F. Treuz)



Raupe
Haigerloch-Stetten, 18.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Raupe
Bitz, 17.06.2015 (Foto: F. Treuz)



Kokon, ex Larva-Zucht
Bitz, 08.03.2016 (Foto: F. Treuz)



Puppe, ex Larva-Zucht
Bitz, 08.03.2016 (Foto: F. Treuz)


Der Königskerzen-Mönch ist weiter verbreitet als die vorige Art. Die Falter fliegen von April bis Juni in einer weiten Bandbreite an Biotopspektren, wo immer Königskerzen vorkommen.

Die Raupen leben von Mai bis Juli vorwiegend an Königskerzen (Verbascum spec.), aber auch an Braunwurz-Arten (Scrophularia spec.). Darüber hinaus ist Cucullia verbasci die einzige Art, die den Sommerflieder (Buddleja davidii) als Nahrungspflanze nutzen kann.



Braunwurz-Wald-Mönch (Cucullia prenanthis) - RL V



Bitz, 26.05.2016 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 26.05.2016 (Foto: F. Treuz)



Grosselfingen, 10.07.2013 (Foto: R. Zwiener)


Cucullia prenanthis ist vermutlich erst im 19./20. Jahrhundert von den Alpen und den Vorland her in Südwestdeutschland eingewandert. Im Zollernalbkreis gab es seither nur einen einzigen Nachweis von 1988. Umso interessanter ist neben dem Raupenfund von 2013 besonders der hier gezeigte Falter, der in Bitz ans Licht geflogen kam.

Die Falter fliegen wohl in einer Generation vorwiegend im Mai/ Juni gemeinsam mit Cucullia scrophulariae in halb- bis vollschattigen Staudenfluren am Rand und an Binnensäumen frischer bis feuchter Laub-, Misch- und Nadelwäldern des Hügel- und Berglandes, in denen die Knotige Braunwurz häufig vorkommt. Es liegen aber viel zu wenige Beobachtungsdaten aus unserem Bundesland vor, um das wirklich gut beurteilen zu können.

Die Raupen werden häufiger gefunden. Sie leben zwischen Juni und August an der Knotigen Braunwurz (Scrophularia nodosa). Die Puppe überwintert und überliegt nicht selten sogar mehrere Jahre.



Pyramideneulen (Amphipyrinae)

Charakteristisch für die Pyramideneulen der Gattung Amphipyra ist ihre glatte, anliegende Körperbeschuppung ohne Haarbüschel, die es den Faltern ermöglicht, auch in enge Ritzen zu schlüpfen. Von den insgesamt 6 Arten sind 4 noch ungefährdet, eine ist schon ausgestorben.


Dreipunkt-Glanzeule (Amphipyra tragopoginis)



Bitz, 28.09.2014 (Foto: F. Treuz)



Hechingen, 12.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 27.09.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 26.08.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.05.2020 (Foto: H. Fuchs)


Die Dreipunkt-Glanzeule ist in ganz Baden-Württemberg weit verbreitet. Die Falter fliegen in einer ausgedehnten Flugzeit von Juli bis Oktober in fast allen offenen Lebensräumen. Hinzu kommen Säume und Staudenfluren, Gebüsche, Gärten und Streuobstwiesen sowie Randzonen und Säume von Wäldern.

Wie alle Amphipyra-Arten ruhen die Falter gerne gemeinschaftlich in Ritzen und Spalten. Deshalb findet man sie tagsüber


öfters hinter Fensterläden oder auf Dachböden. Nachts fliegen sie gerne ans Licht oder an Köder.

Nach der Überwinterung als Ei fressen die Raupen im Mai/ Juni "polyphag an niederen Pflanzen". Sicher belegt sind u.a. Steinklee (Melilotus spec.), Echtes Labkraut (Galium verum) und Bocksbart (Tragopogon spec.).



Svenssons Pyramideneule (Amphipyra berbera)



Bitz, 11.07.2014 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 28.08.2014 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 08.09.2014 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 06.09.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 09.09.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 11.07.2018 (Foto: H. Fuchs)


Weil Amphipyra berbera erst 1968 als eigene Art erkannt wurde, sind Informationen über deren Verbreitung noch unvollständig. Laut EBERT soll sie jedoch auf der Schwäbischen Alb verbreitet sein. So ist es durchaus erstaunlich, dass A.STEINER sie zwar 1984 im Raum Haigerloch nachgewiesen hat, der erste neuere Nachweis dort jedoch erst 2016 gelang. Immerhin liegen jetzt auch Nachweise von der Hochalb vor.

Die Falter fliegen in einer Generation von Juli bis Oktober in denselben Bereichen wie die folgende Amphipyra pyramidea. Über die Nahrung der Raupen ist noch zu wenig bekannt. Vermutlich ist sie ebenso vielfältig wie bei ihrer Zwillingsart. Nachgewiesen sind seither jedoch Weißdorn (Crataegus spec.) und Linde (Tilia spec.).


Pyramideneule (Amphipyra pyramidea)




Haigerloch-Stetten, 11.08.2012 (Foto: H. Fuchs)



ziemlich abgeflogen
Haigerloch-Stetten, 27.09.2013 (Foto: H. Fuchs)




Haigerloch-Stetten, 30.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 28.07.2014 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 25.09.2012 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 09.06.2014 (Foto: F. Treuz)


Amphipyra pyramidea ist die häufigste Art der Gattung. Erst 1968 wurde allerdings erkannt, dass die sehr ähnliche Amphipyra berbera eine eigene Art ist. Amphipyra pyramidea fliegt in einer Generation in einer langgestreckten Flugzeit von Juli bis Oktober in der weiten Umgebung von Laubwäldern jeglicher Art. Auch im Siedlungsbereich, auf Streuobst­wiesen und Friedhöfen ist sie regelmäßig anzutreffen.

Nach der Überwinterung als Ei sind die Raupen im April/ Mai zu finden. Sie ernähren sich polyphag von allen möglichen Laubhölzern und Sträuchern, vielleicht mit einem Schwerpunkt bei der Pappel (Populus spec.), der Rotbuche (Fagus sylvestris) und der Salweide (Salix caprea), aber durchaus auch auf Rosen-Arten (Rosa spec.) und Flieder (Syringa vulgaris).



Gesäumte Glanzeule (Amphipyra perflua) - RL 3



Bitz, 02.08.2016 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 24.07.2014 (Foto: F. Treuz)


Amphipyra perflua ist in Baden-Württem­berg nur sehr lokal verbreitet. So zeigt die aktuelle Verbreitungskarte ausschließlich Vorkommen in Donau-Nähe oder südlich davon im Schwarzwald bzw. im Allgäu. Die beiden Nachweise in Bitz sind also die einzigen in weiter Umgebung.

Die Falter fliegen in einer Generation zwischen Mitte Juli und Ende August wohl vorwiegend im Bereich frischer bis feuchter Laub- und Laubmischwälder.


Über die Raupen ist aus unserem Bundesland noch nichts bekannt. Weil das Ei überwintert, dürften die Raupen wohl von April bis Juni zu finden sein und an einer ganzen Reihe von Laubhölzern fressen.



(Psaphidinae)

Die Unterfamilie der Psaphidinae umfasst im Land fünf Gattungen mit je einer Art, von denen eine bereits ausgestorben, eine weitere vom Aussterben bedroht ist. Die anderen sind noch ungefährdet.


Weißdorneule (Allophyes oxyacanthae)



Haigerloch-Stetten, 02.10.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 27.09.2012 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 04.10.2013 (Foto: H. Fuchs)



Ei - Bitz, 06.04.2015 (Foto: F. Treuz)



Raupe L1 - Bitz, 07.05.2015 (Foto: F. Treuz)



Grosselfingen, 06.05.2012 (Foto: R. Zwiener)



Raupe L5 - Bitz, 27.05.2017 (Foto: F. Treuz)



Raupe L5 - Bitz, 27.05.2017 (Foto: F. Treuz)



Puppe - Bitz, 23.07.2017 (Foto: F. Treuz)


Die Weißdorneule ist besonders in den Hügellandschaften der Muschelkalk- und Keuper-Lias-Gebiete weit verbreitet und oft häufig. Auch die Schwäbische Alb ist gut besiedelt. Die Falter fliegen vorwiegend im September/ Oktober in wahrscheinlich sämtlichen Schlehen-Habitaten, vor allem dort, wo größere Bestände in der Nähe von Waldrändern oder im Waldmantel stehen. Über Obstbäume als Sekundärnahrung gelangt sie auch in die Streuobstwiesen und in den Siedlungsbereich.

Die Raupen leben im April/ Mai vorwiegend an Schlehe (Prunus spinosa) und Weißdorn (Crataegus spec.), aber auch an Apfel, Birne und Zwetschge - in der Jugend an den Knospen, später an den Blättern ihrer Nahrungspflanzen. Tagsüber ruhen sie in Bodennähe, abends und nachts erklettern sie die Büsche und fressen. Die Verpuppung erfolgt in einem festen Kokon in der Erde.



Frühlings-Rauhaareule (Brachionycha nubeculosa)



Haigerloch-Stetten, 22.03.2016 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 20.03.2015 (Foto: F. Treuz)



Foto gespiegelt - Bitz, 16.03.2018 (Foto: F. Treuz)



Klauen an der Vordertibia
Bitz, 16.03.2018 (Foto: F. Treuz)



Klaue, Nahaufnahme
Bitz, 16.03.2018 (Foto: F. Treuz)



Auge, Nahaufnahme
Bitz, 16.03.2018 (Foto: F. Treuz)


Obwohl die Frühlings-Rauhaareule wohl wegen ihrer Haupt-Flugzeit im März/ April und ihres meist erst späten Erscheinens am Licht nur lokal nachgewiesen ist, kommt sie wohl in ganz Baden-Württemberg vor. Die Falter fliegen in einer Generation im Bereich feuchter bis frischer Laubwälder, gern in Hanglagen und in Flusstälern. Innerhalb der Wälder bevorzugen sie lichte Gebiete, wo reicht strukturierte Waldmäntel mit Gebüschen ins Offenland vorstoßen.

Über die Lebensweise und Nahrung der Raupen ist aus unserem Bundesland seither noch wenig bekannt, doch man geht davon aus, dass sie vorwiegend im späten Frühjahr an allerlei Laubgehölzen wie z.B. Hainbuche (Carpinus betulus) und Birke (Betula pendula) lebt.

An den Faltern sind besonders die Klauen an der Vordertibia interessant, deren Funktion laut EBERT noch ungeklärt ist.



Herbst-Rauhaareule (Asteroscopus sphinx)



Haigerloch-Stetten, 31.10.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 19.10.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 04.11.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 19.10.2014 (Foto: H. Fuchs)



Jungingen, 20.05.2020 (Foto: E. Seggewisse)


Asteroscopus sphinx ist in allen Teilen des Landes nachgewiesen und fehlt wohl nur in den höheren Lagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb. Die Flugzeit fällt in die Monate Oktober/ November. Deshalb wird sie hauptsächlich im Siedlungsbereich am Licht gefunden. Die eigentlichen Lebensräume liegen in verschiedenen Misch- und Laubwaldtypen, daneben werden auch die Offenland­bereiche erschlossen - von den Wald­rändern über die Gebüschzonen und


Streubobstwiesen bis in den Siedlungsbereich.

Die Raupen leben zwischen Ende April und Anfang Juni polyphag an Laubholz, oft an Schlehe (Prunus spinosa) und an Weiden (Salix spec.). Sie leben frei, sind tag- und nachtaktiv und sitzen oft mit dem Rücken nach unten an den Zweigen.



(Oncocnemidinae)

Zur Unterfamilie der Oncocnemidinae gehören im Land 5 recht unterschiedliche Arten, von denen zwei als ungefährdet gelten, eine ist schon ausgestorben.


Geißblatt-Kappeneule (Calliergis ramosa) - RL 3



Haigerloch-Stetten, 29.06.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 21.06.2019 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 30.08.2014 (Foto: F. Treuz)


In Baden-Württemberg besiedelt die Geißblatt-Kappeneule hauptsächlich die Schwäbische Alb bis ins Donautal sowie die Muschelkalkhänge der Oberen Gäue. Deshalb war der erste Nachweis dieser Rote Liste-Art bei unseren Lichtfängen 2013 nicht unbedingt überraschend.

Die Falter fliegen von Mitte Mai bis Ende Juli in den Randbereichen frischer bis trockener Misch- und Laubwälder und in den waldnahen Gebüsch­gürteln und Hecken im Übergangsbereich zum Offenland. Entscheidend hierfür ist die Nähe zu den Beständen der Roten Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), der Haupt-Nahrungpflanze für die Raupen. Diese sind dort zwischen Juli und September zu finden, die Puppen überwintern.



Sonneneulen (Heliothinae)

Zur kleinen, aber weltweit verbreiteten Unterfamilie der Sonneneulen gehören ausgesprochen mobile Arten, die aus den Subtropen, dem Mittelmeergebiet oder den kontinentalen Steppengebieten zu uns einwandern. Im Land sind 4 Arten verzeichnet, von denen allerdings zwei bereits ausgestorben sind. Die anderen beiden sind noch ungefährdet. Darüber hinaus wandern einige Arten z.B. in besonders warmen Jahren regelmäßig aus dem Mittelmeergebiet ein oder werden als Raupen mit Obst oder Gemüse eingeschleppt. Hierzu gehören z.B. die Bilsenkraut-Blüteneule und die Baumwoll-Kapseleule.


Umbra-Sonneneule (Pyrrhia umbra)



Haigerloch-Stetten, 12.07.2015 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 08.06.2011 (Foto: R. Zwiener)



Haigerloch-Stetten, 21.06.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 21.06.2019 (Foto: H. Fuchs)



Balingen, 03.07.2015 (Foto: H. Fuchs)



Oberdigisheim, 21.07.2015 (Foto: H. Schurr)


Die Umbra-Sonneneule ist in Baden-Württemberg lokal verbreitet. In den Gäuland­schaften am Oberen Neckar, im Albvorland sowie auf der Schwäbischen Alb soll sie zahlreich vorkommen. Trotzdem haben wir erste einen einzigen neueren Nachweis.

Die Falter fliegen in einer Generation zwischen Ende Mai und Anfang September in einem weiten Spektrum von trockenen bis frischen Offenlandhabitaten. Mit den wichtigsten Raupen-Nahrungspflanzen Hauhechel und Wiesen-Storchschnabel kommen damit eine Vielzahl von Wiesen-Typen vom Kalkmagerrasen bis hin zur bewirtschafteten Glatthaferwiese in Frage.

Raupen sind vorwiegend im Juli/ August aber auch durchaus u.a. an Leinkraut (Linaria spec.) und Wachtelweizen (Melampyrum spec.) zu finden. Die Puppe überwintert.


Bilsenkraut-Blüteneule (Heliothis peltigera)



Haigerloch-Stetten, 14.06.2015 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 07.06.2015 (Foto: F. Treuz)



Starzeln, 28.07.2015 (Foto: H.-P. Ulrich)


Die Bilsenkraut-Blüteneule wandert in Baden-Württemberg allenfalls aktiv aus dem Mittelmeergebiet ein - bodenständig ist sie nicht.

Während sie im Süden oft an Kulturpflanzen zu finden sind und dort z.B. an Gemüse auch zuweilen Schäden anrichten können, sind sie bei uns vorwiegend an der Tollkirsche (Atropa belladonna) zu finden. Lediglich in Jahren mit besonders früher Einwanderung kommen vielleicht einzelne Raupen auch zur Falterentwicklung. In der Regel werden aber spätestens die Puppen absterben.


Baumwoll-Kapseleule (Helicoverpa armigera)



Bitz, 17.08.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 10.09.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.09.2015 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 26.09.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 22.10.2015 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 12.09.2015 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 30.08.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 21.08.2020 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 21.08.2020 (Foto: H. Fuchs)


Das Verbreitungsgebiet der Baumwoll-Kapseleule umfasst die gesamten altweltlichen Tropen und Subtropen von Afrika über die südlichen Teile Asiens bis Australien und Neuseeland einschließlich der meisten Inseln. Dort tritt die Art an zahlreichen Kulturpflanzen als Schädling auf. Wie die vorige Art wandert sie regelmäßig aktiv aus dem Mittelmeergebiet ein bzw. wird auch immer wieder als Raupe mit eingeführten tropischen Früchten und Zierblumen eingeschleppt und entwickelt sich dann hier zum Falter.

Während die bis 1995 rund 20 in Baden-Württemberg gefundenen Falter zumeist im September/ Oktober registriert werden konnten, haben wir nun z.t. auch Nachweise bereits vom August. Aufgrund ihres guten Zustands sind wohl einige der Tiere auch erst hier geschlüpft.



Flechteneulen (Bryophilinae)

Die Unterfamilie der Flechteneulen enthält kleine, oft schmalflügelige Eulen mit rinden- oder flechtenähnlicher Zeichnung. Ihre Raupen ernähren sich von unterschiedlichen Flechten. Im Land sind sechs Arten registriert, von denen nur eine noch ungefährdet erscheint.


Dunkelgrüne Flechteneule (Cryphia algae)



Haigerloch, 26.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 18.07.2014 (Foto: H. Fuchs)


Cryphia algae ist in den Laubwaldgebieten Baden-Württembergs flächendeckend vertreten, im Bereich der Schwäbischen Alb jedoch vorwiegend am nördlichen Albtrauf. Die Falter fliegen in einer Generation im Juli/ August überall dort, wo flechtenüberwachsene Laubhölzer vorkommen - auch im Siedlungsbereich. Früher dürften auch Holzzäune mit ihrem Flechtenbewuchs eine wichtige Rolle gespielt haben.

Die Raupe lebt überwinternd bis Mai an den Flechten verschiedener Laubhölzer. Dabei baut sie sich vermutlich ein Gehäuse in Rindenritzen oder zwischen Flechten, in dem sie tagsüber ruhen. Zur Verpuppung bohrt sie sich dann tief in die Rinde oder ins Holz ein.


Graue Schildflechteneule (Bryophila raptricula) - RL V



Bitz, 06.08.2014 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 20.07.2015 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 23.07.2015 (Foto: F. Treuz)


Bryophila raptricula fliegt in einer Generation im Juli/ August vorwiegend in der Umgebung von menschlichen Siedlungen.

Die nachtaktiven Raupen leben überwinternd bis Mai an flechtenbewachsenen Mauern und Dächern, seltener auch in Steinbrüchen und an natürlichen Feldwänden.


Weißliche Flechteneule (Bryophila domestica) - RL V



Bitz, 31.07.2020 (Foto: F. Treuz)



Albstadt-Laufen, 09.08.2020 (Foto: B. Schlude)


Mit Ausnahme des Alpenvorlandes ist Bryophila domestica zwar in allen Teilen des Landes verbreitet, jedoch nirgends häufig. Aus dem Zollernalbkreis gibt es lediglich ein paar ältere Nachweise, zuletzt aus den 1990er Jahren. Deshalb ist der Wiederfund 2020 in Bitz sehr erfreulich.

Die Falter fliegen in einer Generation wohl hauptsächlich im Juli in Felsregionen, aber auch in menschlich geprägten Stein-Habitaten wie Mauern und Steinbrüchen.


Über die Raupen ist aus unserem Bundesland noch zu wenig bekannt. Sie leben wohl wie die verwandten Arten von verschiedenen Krustenflechten.


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