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Nachtfalter im Zollernalbkreis:
          Eulenfalter und Bärenspinner (Noctuoidea) - Teil 3

Die Überfamilie der Noctuoidea ist weltweit die größte Schmetterlingsfamilie (mit derzeit ca. 35.000 Arten), in Baden-Württemberg sind davon etwas mehr als 500 Arten in 4 Familien und insgesamt 36 Unterfamilien beheimatet. Erst im Jahr 2006 wurde die Familie taxonomisch erweitert und z.B. auch die Bärenspinner (Arctiidae) und die Trägspinner (Lymantriidae) als Unterfamilie eingefügt. Jetzt erfolgte eine neue Revision unter Berücksichtigung genetischer Merkmale.

Bei so einer umfangreichen Familie weisen nicht mehr alle Angehörigen der Familie gemeinsame äußerliche Merkmale auf. Als "Eulen-typisch" könnte der kräftige, oft stark behaarte Körper, gestreckte schmale bis mäßig breite Flügel und die Ruhestellung mit flach oder "dachförmig" über dem Hinterleib zusammengelegten Flügeln gelten. Charakteristisch ist die Flügelzeichnung, die nur aus einer kleinen Anzahl von vielfach variierten Elementen, der so genannten "Eulenzeichnung" besteht. Diese gemeinsamen Merkmale treten allerdings erst bei den entwicklungs­geschichtlich jüngeren Gruppen der Familie auf.

In der Familie der Nolidae werden heute mehrere Gruppen zusammengefasst, die sich neben strukturellen Merkmalen durch einen "kahnförmigen" (mit einem Kiel versehenen) Kokon auszeichnen. Die Unterfamilie Nolinae wurde früher mal als eigene Familie angesehen, aber auch schon zu den Bärenspinnern oder den Eulen gezählt. Heute gehören in Baden-Württemberg 15 Arten zur Familie, davon gelten acht Arten als ungefährdet, vier als vom Aussterben bedroht.

Technischer Hinweis: Die einzelnen Familien sind mit so unterschiedlichen Artenzahlen vertreten, dass wir mehrere Unterseiten erstellt haben. Wie bei den Spannern wird der Vorspann jedoch auf allen Seiten abgedruckt.

 
 

Familie:
Unterfamilie:

Notodontidae
 

Erebidae
 

Nolidae
Nolinae

Noctuidae
 


Hecken-Kleinbärchen (Nola cucullatella)



Bitz, 29.06.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 06.07.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 06.07.2015 (Foto: H. Fuchs)


Das Hecken-Kleinbärchen ist in Baden-Württemberg ausgedehnt, aber nur lückenhaft verbreitet. Die Falter fliegen vorwiegend im Juni/ Juli im Bereich von Schlehengebüschen und schlehenreichen Saumgesellschaften in und am Rand von Magerrasen, aber auch im Siedlungsbereich mit Obstpflanzungen.

Die Raupen leben bis Mai/ Juni vorwiegend an Apfel (Malus domestica) und Schlehe (Prunus spinosa).


Hainbuchen-Kleinbärchen (Nola confusalis)



Haigerloch-Trillfingen, 23.04.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 21.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Hart, 26.05.2016 (Foto: H. Fuchs)


Das Hainbuchen-Kleinbärchen ist im ganzen Land verbreitet und wird wegen seiner geringen Größe wie andere Arten aus seiner Gattung wohl leicht übersehen. Die Raupe hat verschiedene Laubhölzer wie Eiche, Hainbuche, Linde und Rotbuche als Nahrungspflanze.

Der Falter fliegt in einer Generation von April bis Anfang Juni. Es wird vermutet, dass die Falter die größte Aktivität im Kronenbereich der Bäume haben, wo sich auch die Raupen, über welche wenig bekannt ist, aufhalten sollen.


Wasserminzen-Kleinbärchen (Nola cristatula) - RL 1



Haigerloch, 27.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 16.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 16.07.2014 (Foto: H. Fuchs)


Dieses Kleinbärchen wurde nur an ganz wenigen Stellen in Baden-Württemberg nachgewiesen und ist damit eine der faunistischen Besonderheiten unter den Nachtfaltern im Zollernalbkreis, wo es an zwei Stellen im Raum Haigerloch nachgewiesen wurde.

Diese Art fliegt in Feuchtbiotopen mit Vorkommen der Wasserminze (Mentha aquatica), welche der Raupe dieser Art als Nahrung dient. Aufgrund der Seltenheit dieser Art ist fast nichts über die näheren Habitatansprüche bekannt. Der Falter fliegt von Mitte Juni bis Ende Juli in einer Generation.


Ungebändertes Eichen-Kleinbärchen (Meganola strigula) - RL V



Bitz, 21.06.2017 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 26.06.2017 (Foto: H. Fuchs)


Das Hellgraue Graueulchen, wie es auch heißt, ist zwar überall im Land, jedoch recht spärlich, beobachtet worden. Aus dem Zollernalbkreis gab es abgesehen von einer Beobachtung bei Hechingen 1984 bisher keinen aktuellen Nachweis. Das mag auch an der geringen Größe liegen, wenngleich diese Art noch zu den "größeren" der Kleinbärchen gehört.

Die Falter fliegen ab Mite Juni bis Ende Juli im Bereich von eichenreichen Laubmisch-


wäldern, vor allem an Waldrändern, Lichtungen und Wegen sowie lichteren Beständen mit Eichen-Jungwuchs.

Raupenfunde aus Baden-Württemberg sind nicht bekannt, doch laut STEINER et al. leben sie vom Herbst, überwinternd, bis Mai an Eichen (Quercus spec.).


Brombeer-Kleinbärchen (Meganola albula)



Haigerloch-Stetten, 08.08.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 24.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 12.07.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 21.07.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 21.07.2018 (Foto: H. Fuchs)


Das Brombeer-Kleinbärchen ist im Land eine Tieflandart und wurde im Zollern­albkreis bislang nur im Raum Haigerloch gefunden.

Die Falter fliegen in einer Generation von Mitte Juni bis August im Bereich warmer Waldränder mit ausgedehntem Bewuchs von Brombeere und Himbeere. Hiervon ernähren sich auch die Raupen ernähren, allerdings konnte bislang nur wenig darüber in Erfahrung gebracht werden.



Weiden-Kahneulchen (Earias clorana)



Haigerloch-Stetten, 13.06.2017 (Foto: H. Fuchs)


Das Weiden-Kahneulchen ist vor allem in den bodenfeuchten, grundwassernahen großen Stromtälern von Rhein und Neckar zuhause. Aus unserem Raum gab es seither noch keine Nachweise. Das mag aber auch daran liegen, dass die Art wegen ihrer geringen Größe und der Verwechslungsmöglichkeit mit Kleinschmetterlingen oft übersehen wird.

Die Falter fliegen in zwei sich oft überschneidenden Genrationen im Mai/ Juni und im Juli/ August in den Randbereichen von Stilgewässerbiotopen oder langsam fließenden, breiten Flüssen.

Über die Raupen ist aus unserem Bundesland nicht viel bekannt. haupt-Nahrung dürften jedoch verschiedene Weiden-Arten (Salix spec.) sein.



Eichenhain-Wicklereulchen (Nycteola revayana)



Haigerloch-Owingen, 30.03.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 18.03.2014 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 07.05.2016 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 31.07.2016 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 20.07.2016 (Foto: H. Fuchs)


Nycteola revayana ist eine der häufigsten an Eichen lebenden Eulenarten. Sie kommt im ganzen Land vor, wegen ihrer geringen Größe wird diese sehr variable Art aber oft übersehen.

Die Falter fliegen praktisch das ganze Jahr von März bis Oktober in eichenreichen Laub- und Mischwäldern und deren Rand­bereichen. Sie überwintern auch als Falter und obwohl sie fast 10 Monate leben, sind sie im Frühjahr noch erstaunlich wenig abgeflogen.

Die Eiablage erfolgt bald nach der Überwinterung, deshalb sind die Raupen schon ab Mai bis in den Juni und die der zweiten Raupen-Generation im August/ September zwischen zusammengesponnenen Blättern von Eichen (Quercus spec.).



Salweiden-Wicklereulchen (Nycteola degenerana) - RL 2



Bitz, 21.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Bitz, 21.07.2018 (Foto: F. Treuz)


Weil Nycteola degenerana früher als Form von N. revayana angesehen wurde, ist die "alte" Verbreitung der Art völlig unklar, im EBERT sind überhaupt nur wenige Funde dokumentiert. Die aktuellen Vorkommen laut InsectIS ballen sich im Schwarzwald und in Oberschwaben.

Der Fund auf dem Warrenberg 2014, leider ohne Fotobeleg, stellte den seither einzigen Nachweis im weiten Umkreis dar.


Beobachtungen aus den Monaten Mai bis September lassen zwei Generationen vermuten, Funde im Oktober und im April sogar eine Falter-Überwinterung. Aufgrund der geringen Nachweise sind sichere Angaben jedoch noch nicht möglich.

Die Falter fliegen wohl weitgehend im Verbreitungsgebiet der Salweide (Salix caprea), der Nahrungspflanze der Raupe.



Großer Kahnspinner, Eichen-Kahnspinner (Bena bicolorana)



Haigerloch-Stetten, 22.06.2017 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 18.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.07.2016 (Foto: H. Fuchs)



Kokon - Grosselfingen, 05.07.2013 (Foto: R. Zwiener)
 



darunter Reste einer parasitoidierten Raupe
Grosselfingen, 05.07.2013 (Foto: R. Zwiener)


Bena bicolorana ist deutlich seltener als die folgende Art. Sie ist trotzdem mit den wärmeliebenden Eichen über das ganze Land verbreitet. Nachweise von der Schwäbischen Alb sind jedoch noch selten.

Die Falter fliegen in einer Generation von Mai bis August im den offenen Strukturen lichter, grasiger Laub- und Mischwälder mit hohem Eichen-Anteil. Wegen ihrer versteckten Lebensweise sind Nachweise fast nur am Licht möglich.


Die Raupen leben im August/ September und dann, überwinternd, im April/ Mai an Eichen (Quercus spec.).



Buchen-Kahnspinner, Jägerhütchen (Pseudoips prasinana)



Haigerloch-Owingen, 13.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 02.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Das "Jägerhütchen" ist mit der Rotbuche über das ganze Land verbreitet und stellenweise häufig. Die Falter fliegen in vermutlich zwei ineinander übergehenden Generationen von Mai bis August im Bereich von Buchenwäldern, seltener auch in zivilisationsnahen Lebensräumen wie Feldgehölzen bis in den Siedlungsbereich.

Die Raupen sind zwischen April und November vorwiegend an Rotbuche (Fagus sylvatica) zu finden, doch auch Eichen (Quercus spec.) oder in wärmeren Gegenden die Edelkastanie (Castanea sativa) werden als Nahrung genutzt.


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