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Nachtfalter im Zollernalbkreis:
        Sichelflügler und Eulenspinner (Drepanoidea)

Im Gegensatz zu den Tagfaltern ist die Artengruppe der Nachtfalter weitaus weniger einheitlich. In der neuen Systematik werden insgesamt 5 Überfamilien genannt. Dabei gibt es solche, die in Mitteleuropa nur jeweils eine Familie mit wenigen Arten enthalten. Andere wurden hingegen zusammengefasst: Die Schwärmer sind jetzt mit den Pfauenspinnern in einer Überfamilie und die meisten "Spinner", Schwärmer und Eulenfalter gehören jetzt ebenfalls zusammen.

Die Überfamilie der Drepanoidea umfasst weltweit etwa 650 Arten und ist hauptsächlich in Südostasien verbreitet. In Europa gibt es nur die Familie der Sichelflügler und Eulenspinner, deren zwei Unterfamilien früher wegen ihres unterschiedlichen Aussehens auch unterschiedlichen Familien zugeordnet wurden. Sie sind in Baden-Württemberg aktuell noch mit 16 Arten vertreten, von denen derzeit die meisten, nämlich 11, noch nicht gefährdet erscheinen.

Gemeinsames Merkmal aller Arten ist der Bau der Schall-Sinnesorgane an der Basis des Hinterleibs. Saugrüssel sind unterschiedlich stark ausgebildet und fehlen bei manchen Arten. Die Raupen zeigen ab dem zweiten Raupenstadium Borsten.

 
 

Familie:
Unterfamilie:

Drepanidae
Drepaninae


Thyatirinae



Sichelflügler (Drepaninae)

Bestimmt stand die charakteristische Form der Flügel Pate für den deutschen Namen der Unterfamilie. In der Ruhestellung legen die Falter fast aller Arten ihre Flügel spannerartig flach nebeneinander.


Silberspinnerchen (Cilix glaucata)



NSG Kapfhalde, 19.03.2020 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 29.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.04.2020 (Foto: H. Fuchs)


Das Silberspinnerchen, auch Weißer Sichelflügler genannt, zeichnet sich durch seine für diese Familie ungewöhnliche Gestalt aus: In Ruhehaltung werden die Flügel dachförmig nach oben geklappt, zusammen mit der braunweißen Zeichnung gibt dies dem Falter ein bizarres Aussehen. Daher wird diese Art im Englischen auch als "Chinesisches Schriftzeichen (Chinese Character)" bezeichnet.

Die Art ist in Baden-Württemberg (außer im Schwarzwald) weit verbreitet und im Zollernalbkreis kann dieser Falter im Vorland und auf der Alb gefunden werden.

Der Lebensraum des Silberspinnerchen sind sonnige Hecken, aber auch naturnahe Gärten, wo Schlehen und Weißdorn, die Nahrungspflanze der Raupen, wachsen. Die Raupen dieser Art wurden bislang von Juni bis Oktober gefunden. In zwei bis drei Generationen fliegt diese Art von April bis September.



Heller Sichelflügler (Drepana falcataria)



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 26.04.2014 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen, 24.04.2020 (Foto: B. Schlude)


Drepana falcataria ist relativ variabel gefärbt; es gibt sowohl dunkle als auch eher helle Exemplare. Dieser Falter ist als häufigster Vertreter seiner Gattung überall recht häufig anzutreffen. Er besiedelt Wälder und Gehölze aller Art einschließlich Gärten und Parkanlagen, wo Birken und Erlen zu finden sind.

Die Raupen, die von Juni bis September nachgewiesen wurden, benötigen diese als Nahrungspflanzen. Die Falter fliegen in zwei Generationen von April bis Ende August.

ein Zuchtbericht



Zweipunkt-Sichelflügler (Watsonalla binaria)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch, 26.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 16.07.2014 (Foto: F. Treuz)


Dieser rotbraun gefärbte Sichelflügler ist in Eichenwäldern und Mischwäldern mit Eichenanteilen in nahezu allen Höhenlagen weit verbreitet, da die Raupe dieses Falters an verschiedenen Eichenarten lebt. Manchmal kann diese Art auch im Siedlungsbereich gefunden werden. Der Falter fliegt in zwei Generationen von Ende April bis Mitte September, über die Raupen ist aus unserem Bundesland noch zu wenig bekannt.



Buchen-Sichelflügler (Watsonalla cultraria)



Haigerloch-Hart, 20.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Der Buchen-Sichelflügler ist überall in Baden-Württemberg häufig zu finden, insbesondere auf der Schwäbischen Alb ist dieser Falter sehr häufig. Der Lebensraum dieser Art sind Buchenwälder und Mischwälder mit Buchenanteil.

Die Raupen leben meist von Juli bis in den Herbst in den Baumkronen der Rotbuche (Fagus sylvatica). Die Falter sind in zwei Generationen von Anfang April bis September aktiv.



Birken-Sichelflügler (Falcaria lacertinaria) - RL V



Haigerloch-Stetten, 16.07.2018 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 01.08.2013 (Foto: H. Fuchs)


Der Birken-Sichelflügler ist in Baden-Württemberg lückig verbreitet und bei uns wohl nur vereinzelt in tieferen Lagen zu finden; auf der Schwäbischen Alb fehlt diese Art. Der Fund 2013 in Owingen auf 600m ist der erste im Landkreis.

In zwei Generationen fliegt der Birken-Sichelflügler von April bis August in Wäldern und Gehölzen mit Birken, auch in Mooren und Feuchtgebieten ist dieser Falter am häufigsten anzutreffen.

Die Raupen wurden von Juni bis September nachgewiesen, sie fressen an der Birke (Betula pendula).




Eulenspinner (Thyatirinae)

Weil sie rein optisch Merkmale sowohl der Eulen als auch der Spinner zeigen, hat sich wohl der deutsche Name "Eulenspinner" eingebürgert. Wie diese legen die Falter ihre Flügel in der Ruhestellung dachartig über dem Hinterleib zusammen.


Gelbhorn-Eulenspinner (Achlya flavicornis)



Haigerloch-Owingen, 18.03.2014 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.04.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 15.04.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 15.04.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.03.2019 (Foto: H. Fuchs)


Dieser Eulenspinner ist in tieferen und mittleren Lagen Baden-Württembergs nur vereinzelt zu finden und fehlt weitgehend auf der Schwäbischen Alb. Sein Lebens­raum sind Wälder mit Birkenanteil, gelegent­lich auch im Siedlungsbereich, wenn Birken vorhanden sind.

Der Gelbhorn-Eulenspinner ist eine frühe Art: Der Falter fliegt in einer Generation von März bis Mitte April, erste Exemplare sind gelegentlich bereits Ende Februar aktiv.


Manchmal finden sich diese Falter auch an ausfließenden Baumsaft ein. Die Raupen leben an Birken (Betula pendula) und können von Mai bis Juni gefunden werden.


Moosgrüner Eulenspinner (Polyploca ridens) - RL V



Haigerloch-Owingen, 11.04.2020 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 29.04.2016 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 29.04.2016 (Foto: H. Fuchs)


Der Moosgrüne Eulenspinner ist seither in erster Linie in den klimatisch begünstigten Bereichen des Rheingraben und des Neckar-Tauberlandes nachgewiesen. Am Rand der Schwäbischen Alb auf 600m war er nicht unbedingt zu erwarten.

Die Falter fliegen in einer Generation von Mitte März bis Anfang Mai im Bereich von trockenen Wäldern, warmen Eichen­gebüschen und Laubmischwäldern mit hohem Eichen-Anteil.

Über die Raupen ist aus unserem Bundesland erst wenig bekannt. Sie leben wohl im Mai und Juni zwischen zusammengesponnenen Blättern an (Stiel-)Eiche (Quercus robur/ spec.). Die Puppe überwintert.


Violettgrauer Eulenspinner (Cymatophorina diluta)



Haigerloch-Stetten, 17.09.2020 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.09.2020 (Foto: H. Fuchs)


Cymatophorina diluta ist hauptsächlich in der Oberrheinebene und im Neckar-Tauberland, also eher in der nördlichen Landeshälfte verbreitet. Die Nachweise aus unserer Gegend sind nur spärlich. Im Zollernalbkreis wurde die Art vor 2020 nur zweimal registriert.

Die Falter fliegen in einer Generation vorwiegend im September im Bereich von eichenreichen Laubmischwäldern - laut EBERT tritt sie im Offenland und im


Siedlungsbereich normalerweise nicht auf.

Über die Raupen ist aus unserem Bundesland noch nichts bekannt, in Rheinland-Pflanz wurde eine Raupe im Juni gefunden. Als Raupen-Nahrungspflanze wird in der Literatur ausschließlich Eiche genannt. Im Gegensatz zu allen anderen Arten der Familie überwintert das Ei, nicht die Puppe.



Zweipunkt-Eulenspinner (Ochropacha duplaris)



Hechingen, 01.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 17.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Diese unauffällig gefärbte Art ist auf Baum­stämmen sitzend gut getarnt und findet sich vereinzelt in allen Landesteilen Baden-Württembergs. Der Falter bewohnt feuchte Laubwälder sowie Au- und Bruchwälder.

Die Raupen, welche in den Monaten Juni und September nachgewiesen wurden, können sowohl an Erlen, Pappeln und Birken vorkommen und haben damit ein sehr breites Nahrungsspektrum im Vergleich zu anderen Arten dieser Familie.


Der Falter fliegt meist von Mai bis August in ein oder zwei Generationen, letzteres jedoch nur in tieferen Lagen.



Birken-Eulenspinner (Tetheella fluctuosa)



Hechingen, 01.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Der Birken-Eulenspinner ist lokal vereinzelt in ganz Baden-Württemberg zu finden, wo er feuchte Laubwälder bewohnt. Dabei müssen dort Birken, die Nahrung der Raupen dieser Art, vorhanden sein. Nur wenig ist über die Larvalstadien dieser Art bekannt, die einzigen Raupenfunde wurden im September gemacht. Der Falter fliegt in einer Generation von Ende Mai bis Anfang August.



Augen-Eulenspinner (Tethea ocularis) - RL 3



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 18.05.2015 (Foto: H. Fuchs)


Der Falter mit dem Spitznamen "RO 80" (wegen seiner Flügelzeichnung) ist recht selten. Er kommt vereinzelt in tiefen und mittleren Lagen Baden-Württembergs vor. Er bewohnt Auwälder und sonstige Laubmischwälder mit einem großen Anteil an Pappeln. Hin und wieder wird er auch im städtischen Bereich gefunden, wenn dort die Futterpflanzen der Raupen vorhanden sind.

Die Raupen halten sich bevorzugt in den Baumkronen auf und sind deshalb schwer zu finden. Deswegen gibt es nur Vermutungen zur Raupenzeit, welche im Juni und Juli sowie im September sein soll. Der Falter fliegt in ein bis zwei Generationen von Anfang Mai bis Mitte August.



Pappel-Eulenspinner (Tethea or)



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 12.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 14.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Der Pappel-Eulenspinner kommt in ganz Baden-Württemberg vor und ist in den tieferen Lagen am häufigsten. Diese Art bewohnt Gebüsche, Hecken und Waldränder, wo Zitterpappeln, die wichtigste Nahrungspflanze, der Raupen vorkommen. Vereinzelt kommt dieser Falter auch im Siedlungsbereich vor.

Diese Art tritt in zwei Farbformen auf, die dunkle Form war neben der des Birkenspinners ein Beispiel für die Theorie des Industrie­melanismus. Die Falter sind in zwei Generationen von Ende April bis Anfang September aktiv. Die Raupen wurden von Juli bis September gefunden.



Achat-Eulenspinner (Habrosyne pyritoides)



Haigerloch-Stetten, 21.06.2015 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 30.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Hechingen, 01.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Der auffällig gefärbte und gezeichnete Achat-Eulenspinner hat Flügeloberseiten, welche an geschnittenen Achat erinnern sollen. Dieser Falter ist überall in Baden-Württemberg häufig und ist in offenen Bereichen von Wäldern, Heckenland­schaften und Parkanlagen zu finden.

Der Falter fliegt in einer Generation von Ende Mai bis August, vereinzelt auch bis Anfang September. Die Raupen leben wohl von August bis September an Himbeere und Brombeere (Rubus idaeus bzw. fruticosus).



Rosen-Eulenspinner (Thyatira batis)



Balingen, 05.06.2013 (Foto: H. Fuchs)



Bitz, 16.07.2015 (Foto: F. Treuz)



Haigerloch-Stetten, 01.07.2020 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 21.09.2013 (Foto: R. Zwiener)
 



Grosselfingen, 25.09.2013 (Foto: R. Zwiener)
 



Raupe aus Haigerloch-Stetten
Bitz 24.06.2018 (Foto: F. Treuz)



Puppe Ex larva-Zucht
Bitz 05.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Ex larva-Zucht
Bitz 14.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Ex larva-Zucht
Bitz 14.07.2018 (Foto: F. Treuz)



Die Roseneule, wie sie auch genannt wird, ist durch ihre rosa Flecken auf den Flügeloberseiten auffällig und unverwechselbar. Sie ist in nahezu ganz Baden-Württemberg verbreitet und bewohnt Wälder, Hecken, Parks und Gartenland­schaften, wo Brombeere und Himbeere (Rubus fruticosus agg. bzw. idaeus), die Nahrungspflanzen der Raupen wachsen.

Der Falter fliegt in zwei Generationen von Ende April bis Anfang September. Die Raupe ist von Mai bis Oktober zu finden.


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