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Tagfalter im Zollernalbkreis: Bläulinge (Lycaenidae)

Bei den Bläulingen haben viele Arten blaue Flügel-Oberseiten - daher der deutsche Name. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Würfelfalter ein, die erst in den letzten Jahren zu den Bläulingen gestellt wurden. Von den weltweit 6.000 Arten kommen in Baden-Württemberg 43 in 4 Unterfamilien vor. Sämtliche Arten der Würfelfalter, Feuerfalter und Zipfelfalter stehen auf der "Roten Liste der gefährdeten Arten", nur unter den 27 eigentlichen Bläulingen erscheinen derzeit noch 6 Arten ungefährdet.
Viele Arten weisen eine starke Spezialisierung auf wenige Nahrungspflanzen für die Raupen auf, etliche davon leben von und mit speziellen Ameisenarten.
Zumeist sehen männliche und weibliche Tiere unterschiedlich aus, die Arten sehen sich allerdings mitunter sehr ähnlich und sind oft nur schwer z.B. anhand der Hinterflügel-Unterseite zu unterscheiden.
Viele Bläulinge reiben die Hinterflügel aneinander, was möglicherweise der besseren Verteilung der Sexualduftstoffe dient. → Kurzvideo

Anmerkung: Wenn in der Auflistung eine Art fehlt, heißt das nicht, dass sie hier nicht vorkommt. Vielleicht haben wir nur noch keine Fotos aus dem Zollernalbkreis. Wenn Sie welche haben, wären wir dankbar, wenn Sie uns diese zur Verfügung stellen würden.

Riodininae

Lycaeninae

Theclinae

Polyommatinae



Schlüsselblumen-Würfelfalter (Hamearis lucina) - RL 3



Weilstetten, 17.05.2012 (Foto: B. Schlude)



Weilstetten, 17.05.2012 (Foto: B. Schlude)



Haigerloch-Owingen, 14.05.2013 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 30.05.2011 (Foto: H. Fuchs)


Hamearis lucina wurde im Zollernalbkreis zunächst nur auf der Hochfläche nachgewiesen, vom Albvorland sind seit 2010 erst wenige Vorkommen bekannt geworden. Die Art ist auf sonnige Waldplätze und Waldrandbereiche mit reichhaltigen Schlüsselblumen-Vorkommen spezialisiert.

Die Falter fliegen wohl nur in einer Generation ab Mitte April, aber vorwiegend im Mai und Anfang Juni. Über die Nahrungsbiologie der Falter ist wenig bekannt, weil sie offenbar nur selten Blüten besuchen.

Die Weibchen legen ihre Eier an der Blattunterseite von Schlüsselblumen (Primula veris, auch Primula elatior) ab, die Puppe überwintert.



Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas) - RL V



Hechingen, 05.09.2012 (Foto: H.-M. Weisshap)



Grosselfingen, 01.09.2011 (Foto: A. Braun)



Grosselfingen, 16.09.2012 (Foto: R. Zwiener)


Beide Geschlechter des Kleinen Feuerfalters sehen fast gleich aus, sie sind jedoch am Flügelschnitt zu unterscheiden.
Die Weibchen legen ihre Eier auf den Blattunterseiten der Nahrungspflanzen ab, vorwiegend am Kleinen Sauerampfer (Rumex acetosella). Die Falter fliegen in wenigstens vier oft nicht zu trennenden Generationen von Ende April bis Mitte Oktober. Viele Falter sterben dann, ohne sich fortgepflanzt zu haben. Die Raupe der letzten Generation überwintert.



Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus) - RL V



Haigerloch-Stetten, 14.07.2007 (Foto: H. Fuchs)



Rangendingen, 28.07.2008 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 31.07.2007 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 04.08.2007 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Gruol, 14.08.2009 (Foto: H. Fuchs)


Beim Braunen Feuerfalter sind die Weibchen leicht an ihrer Orangefärbung auf der Vorderflügel-Oberseite von den Männchen zu unterscheiden. Die Falter fliegen in wenigstens zwei Generationen zwischen Mitte Mai und Ende August. Manchmal schlüpft auch noch im September eine 3. Generation.
Man findet die Falter in Saumbiotopen vielerlei Wiesen an Dost (Origanum vulgare), an Greiskräutern (Senecio spec.) und an Ross-Minze (Mentha longifolia).


Als Nahrungspflanze für die Raupen dient in erster Linie der Große Sauerampfer (Rumex acetosa), manchmal auch der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella).
Mit der Umwandlung von Wiesen in Wirtschaftsgrünland gehen zum einen die Nahrungspflanzen für die Raupen verloren, ebenso die Nektarpflanzen für die Falter.



Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe) - RL 3



Nusplingen, 24.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 24.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 21.06.2011 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 21.06.2011 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 21.06.2011 (Foto: H. Fuchs)


Dieser auffällige Feuerfalter fliegt in einer Generation vorwiegend zwischen dem 10. Juni und dem 20. Juli in unterschiedlichen Biotopen zumeist in höheren Lagen. In der Zeit der Geschlechterfindung verfolgen sich die Männchen in rasantem Zickzackflug.

Das Weibchen legt die Eier zumeist in ungemähten Wiesen nahe der Blattbasis am Großen Sauerampfer (Rumex acetosa), Haupt-Nahrungspflanze der Raupen, ab. Die Raupen überwintern.



Blauer Eichen-Zipfelfalter (Favonius quercus)



♀ Haigerloch-Stetten, 26.06.2018
(Foto: H. Fuchs)



Ei - Haigerloch-Stetten, 04.09.2014
(Foto: G. Hermann)


Favonius quercus ist aus allen großen Naturräumen des Landes nachgewiesen. Trotzdem ist über die Verbreitung der Art nicht so viel bekannt. Villeicht hängt es auch ein wenig mit der Lebensweise zusammen: Die Falter halten sich vorwiegend im Gipfelbereich der Bäume auf und kommen nur morgens und am späten Nachmittag herunter. Vielleicht ist auch das der Grund, warum uns erstmals 2018 der Fotobeleg eines Falters gelungen ist.


Die Falter bilden nur eine Generation aus, deren langgestreckte Flugzeit von Mitte Juni bis Mitte August reicht. Zu finden sind sie vorwiegend im Bereich der Mäntel und Binnensäume von Laubmischwäldern mit hohem Eichenanteil.

Die Eiablage erfolgt an Eichen-Arten (Quercus spec.). Im Frühjahr schlüpfen die Räupchen und bohren sich in die gerade leicht sich öffnenden Blütenknospen ein. Erst die erwachsene Raupe geht dann zum Blattfraß über.



Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) - RL V



Grosselfingen, 27.08.2013 (Foto: R. Zwiener)



Haigerloch-Stetten, 26.07.2015 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 23.09.2013 (Foto: R. Zwiener)



Bitz, 06.07.2018 (Foto: F. Treuz)
 



Raupe verpuppungsreif
Bitz, 30.06.2014 (Foto: F. Treuz)



Raupe frisch gehäutet
Bitz, 31.08.2014 (Foto: F. Treuz)


Nur die Weibchen dieses Falters tragen auf der Vorderflügel-Oberseite die orangeroten "Nierenflecke". Allerdings zeigen sie diese fast nie - wie alle Zipfelfalter.

Thecla betulae ist einbrütig (= bringt nur eine Generation hervor) und fliegt von Ende Juli bis in den Oktober in einer Vielzahl von Lebensräumen - Hauptsache gebüschreich. Gärten und ähnliche Lebensräume in und am Rand der Ortschaften haben laut EBERT & RENNWALD offenbar einen recht wesentlichen Anteil daran.

Die Eier werden einzeln vorwiegend in die Zweig-Gabelungen der Schlehe (Prunus spinosa) abgelegt. Dort sind sie im Winter auch zu finden - siehe hierzu den Link auf Walter Schöns Schmetterlings-Seite.



Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album) - RL V



Hechingen-Beuren, 10.06.2011 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 22.06.2017 (Foto: H. Fuchs)



Tailfingen, 19.07.2018 (Foto: D. Haas)


Seinen wissenschaftlichen Namen erhielt Satyrium w-album von der weißen W-Zeichnung auf der Hinterflügel-Unterseite - diese ist auf dem Foto hier allerdings nur schwach zu sehen. Obwohl der Falter noch an etlichen Stellen des Landes vorkommt, gibt es aus dem Zollernalbkreis nur wenige Nachweise.

Satyrium w-album fliegt zwischen Mitte Juni und Mitte August in einer Generation. Die Falter saugen vorwiegend an weißen Doldenblütlern wie dem Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) oder der Wilden Möhre (Daucus carota).

Die Weibchen legen die Eier an die Blütenknospen von Ulmen ab, wo sie den Winter über kleben bleiben. Ulmenblätter stellen auch die Haupt-Nahrung für die Raupen dar, so dass das Ulmensterben zu kräftigen Bestandseinbrüchen geführt hat.



Pflaumen-Zipfelfalter (Satyrium pruni) - RL V



Grosselfingen, 01.06.2012 (Foto: R. Zwiener)



Geislingen, 12.06.2008 (Foto: B. Schlude)



Geislingen-Erlaheim, 23.06.2008 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 01.06.2012 (Foto: R. Zwiener)



Ei - Bitz, 14.01.2017 (Foto: F. Treuz)


Der Pflaumen-Zipfelfalter ist an den schwarzen Punkten auf der Hinterflügel-Unterseite sowie am Verlauf der weißen, unterbrochenen Linie von ähnlichen Arten zu unterscheiden.

Er ist einbrütig und fliegt hauptsächlich im Juni. Als Lebensraum dienen vorwiegend Gebüsch- und Saumgesellschaften.

Die Raupen ernähren sich zumeist von

Blütenknospen, Blüten und Blättern der Schlehe (Prunus spinosa), in deren Astgabeln auch die Eier überwintern.



Kleiner Schlehenzipfelfalter (Satyrium acaciae) - RL 3



Haigerloch-Stetten, 01.07.2014 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen, 26.06.2011 (Foto: B. Schlude)



Haigerloch-Stetten, 27.06.2014 (Foto: H. Fuchs)


Als geeigneten Lebensraum des relativ seltenen Kleinen Schlehenzipfelfalters beschreibt das Standardwerk "Die Schmetterlinge Baden-Württembergs" kalkreiche Mager- und Trockenrasen mit Gebüsch- und Saumgesellschaften, insbesondere Wacholderheiden mit (niedrigen) Schlehengebüschen.

Die Falter fliegen in einer Generation zumeist im Juni und Juli. Sie saugen besonders gerne an weißen Blüten wie z.B. Schafgarbe (Achillea millefolium). Die Weibchen legen ihre Eier an Schlehe (Prunus spinosa) und zwar vorwiegend an kleinen "Krüppelschlehen" ab.



Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi) - RL V



Haigerloch-Stetten, 28.04.2010 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 10.05.2008 (Foto: H. Fuchs)


Beide Geschlechter dieses kleinen Falters sind oberseits braun gefärbt. Mit seiner grünen Flügelunterseite kann man ihn aber mit keiner anderen Art verwechseln.

Der Grüne Zipfelfalter ist einbrütig und lebt bei uns von Mai bis Mitte Juni. Die Männchen zeigen Territorialverhalten.

Die Weibchen legen die Eier einzeln vorwiegend an Färberginster (Genista tinctoria). Die Puppe überwintert.



Kleiner Esparsetten-Bläuling (Polyommatus thersites) - RL 2



Geislingen-Erlaheim, 04.05.2011 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen-Erlaheim, 18.06.2008 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen-Erlaheim, 04.05.2011 (Foto: H. Fuchs)



Rangendingen, 20.05.2016 (Foto: H. Fuchs)



Rangendingen, 20.05.2016 (Foto: H. Fuchs)



Rangendingen, 20.05.2016 (Foto: H. Fuchs)


Das Vorkommen dieser seltenen Art ist eng an die früher zur Futtergewinnung angebaute Esparsette (Onobrychis viciifolia) gebunden, die z.B. nur im Bereich lückiger Kalkmagerrasen mit "Störstellen" von selbst auftritt. Alle noch bestehenden Vorkommen sollten deshalb unter besonderen Schutz gestellt und intensive Beweidung verhindert werden.

Die Falter fliegen in zumeist nur einer Generation von Anfang Mai bis Anfang Juli. Beobachtungen zwischen Mitte Juli und Ende August könnten auf eine zweite Generation in günstigen Jahren hindeuten. Die Raupen fressen ausschließlich an Esparsette (Onobrychis viciifolia) und überwintern als Raupe.



Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)



Haigerloch, 15.08.2011 (Foto: H. Hermann)



Balingen-Zillhausen, 02.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 13.05.2011 (Foto: H. Fuchs)



Rangendingen, 18.05.2011 (Foto: H. Fuchs)



Oberdigisheim, 16.06.2013 (Foto: Th. Hoffmann)



Haigerloch-Stetten, 09.08.2008 (Foto: H. Fuchs)


Polyommatus icarus ist unsere häufigste Bläulings-Art und heißt deshalb auch "Gemeiner Bläuling". Die Geschlechter unterscheiden sich deutlich voneinander: Die Männchen sind kräftig blau mit leichtem Violettanteil, die Weibchen braun, mitunter blau schimmernd. Neben der "normalen" Form mit einem Basalfleck auf der Unterseite der Vorderflügel gibt es auch eine Form icarinus ohne diesen Fleck.

Die Falter fliegen in zwei Generationen von Mitte Mai bis Mitte Juli und von Ende Juli bis Mitte/ Ende September. Möglicherweise bildet sich in manchen Jahren sogar eine dritte Generation aus. Als Lebensraum kommen vielerlei Wiesentypen in Frage, an gemulchten Böschungen gehen jedoch die Bestände zurück.

Die Eier werden in die Köpfchen oder die Blattoberseite von Hornklee (Lotus corniculatus) und Hopfenklee (Medicago lupulina) aber auch anderer Schmetterlingsblütler abgelegt. Nach 5 Tagen schlüpft das Räupchen. Es überwintert als Raupe.



Himmelblauer Bläuling (Lysandra bellargus) - RL 3



Geislingen-Erlaheim, 12.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen-Erlaheim, 20.05.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 09.05.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 09.05.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 07.04.2009 (Foto: H. Fuchs)


Auch beim Himmelblauen Bläuling unter­scheiden sich die Geschlechter deutlich: Die Männchen sind himmelblau, die Weibchen braun, erscheinen aber oft blau überpudert. Im Unterschied zum Hauhechel-Bläuling haben jedoch beide Geschlechter gescheckte Flügelfransen.

Im Zollernalbkreis findet man Lysandra bellargus auf vielen gebüschreichen Kalk­magerrasen und Halbtrockenrasen in offenen sonnigen Hanglagen. Das Vorkommen des Hufeisenklee (Hippo-


crepis comosa) als Nahrungspflanze der Raupen ist hierbei das entscheidende Kriterium.

Die Falter bilden in der Regel zwei Generationen aus: eine erste ab Mai/Juni und eine zweite wohl ab Ende Juli. Die genaue Grenze ist jedoch noch unklar. Vermutlich bleibt die zweite Generation unvollständig.



Silbergrüner Bläuling (Lysandra coridon) - RL V



♂ Haigerloch-Stetten, 29.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



♂ Tailfingen, 31.07.2013 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 31.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



♀ Haigerloch-Gruol, 12.08.2009 (Foto: H. Fuchs)



♀ Haigerloch-Stetten, 28.07.2009 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 04.08.2014 (Foto: H. Fuchs)



aberrantes ♀, vermutlich Hitzeform
Burladingen, 31.07.2010 (Foto: H. Fuchs)


Auch der Silbergrüne Bläuling hat im frischen Zustand gescheckte Flügelfransen wie der Himmelblaue Bläuling. Während man die Männchen gut von Polyommatus bellargus unterscheiden kann, ist das bei den Weibchen schwieriger. Beide Arten besiedeln denselben Lebensraum und sind beide auf Hippocrepis comosa als Raupen-Nahrungs­pflanze angewiesen. Allerdings bildet Polyommatus coridon nur eine Generation aus: Er taucht bei uns erst Mitte Juli auf und ist Ende August schon wieder verschwunden.

Die Raupen zeigen eine enge Beziehung zu Ameisen: Sie geben Zuckertröpfchen ab und werden dafür von den Ameisen bewacht und beschützt. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein paar P.coridon-Raupen sogar wesentlich zur Ernährung eines Ameisenvolks beitragen können. Eine Spezialisierung auf bestimmte Ameisenarten ist jedoch nicht festzustellen.



Großer Esparsetten-Bläuling (Polyommatus damon) - RL 1



Burladingen, 23.06.2011 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 06.07.2009 (Foto: Th. Bamann)



Burladingen, 31.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 08.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Truchtelfingen, 31.07.2013 (Foto: H. Fuchs)


Die Männchen von Polyommatus damon können oberseits leicht mit Polyommatus coridon verwechselt werden, mit dem er auch gemeinsam vorkommt. Auf der Hinterflügel-Unterseite zeigt er jedoch eine unverwechsel­bare kräftige dolchartige Zeichnung - daher auch der Name "Weißdolch-Bläuling". Seit 1970 gibt es auf der Schwäbischen Alb Nachweise nur an 15 verschiedenen Stellen, damit ist er ein echtes "Highlight" in unserer Falterfauna.


Die Tiere fliegen bei uns in offenen Kalkmagerrasen mit größeren Beständen der Esparsette (Onobrychis viciifolia) in Wacholderheiden oder auf verheideten Kuppen - hauptsächlich im Juli und August. Weil die Eier in erster Linie im Bereich der abgeblühten Blüten abgelegt werden, sind die Raupen durch Beweidung besonders gefährdet.



Rotklee-Bläuling (Cyaniris semiargus) - RL V



Haigerloch-Hart, 09.07.2012 (Foto: H. Fuchs)



Hechingen, 02.08.2011 (Foto: H. Fuchs)



Balingen, 04.06.2012 (Foto: D. Mezger)



Haigerloch-Hart, 09.07.2012 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 09.08.2012 (Foto: A. Braun)


Der im Grunde nicht seltene Rotklee-Bläuling erfährt in den vergangenen Jahren einen Bestands-Rückgang, der mit der immer stärker zunehmenden (Gülle-) Düngung der Wirtschaftswiesen einhergeht.

Die Geschlechter unterscheiden sich in der Farbe deutlich: Männliche Tiere sind dunkelblau mit schwarzen Adern und dunklem Rand, die Weibchen nahezu zeichnungslos einfarbig braun mit weißem Saum. Die Unterseite der Vorderflügel zeigt eine bogenförmigen Punktreihe.


Die Falter bilden bei uns wohl zwei Generationen aus: Die erste von Anfang Mai bis Ende Juni und eine zweite von Mitte/ Ende Juli bis August. Die Weibchen legen ihre Eier vorwiegend an Rotklee (Trifolium pratense) ab, auch die Falter saugen gern an Rotklee, Hornklee (Lotus corniculatus) und anderen Schmetter­lingsblütlern.



Storchschnabel-Bläuling (Eumedonia eumedon) - RL 3



Balingen-Ostdorf, 25.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Balingen-Ostdorf, 22.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 22.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 24.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 22.06.2011 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 22.06.2011 (Foto: H. Fuchs)


Der Storchschnabel-Bläulings fliegt in einer Generation im Juli/ Juli, seine Flugzeit fällt damit mit der Blütezeit der wichtigsten Raupen-Nahrungspflanzen zusammen. Die Vorkommen sind auf oft nur wenige Quadratmeter große Bestände von Storchschnabel-Arten beschränkt: Vorwiegend wird Sumpf- und der Blutrote Storchschnabel (Geranium palustre bzw. sanguineum) belegt, im Zollernalbkreis auch Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense).

Die Raupen schlüpfen nach 8 Tagen, häuten sich nach weiteren 8 Tagen und überwintern im 3. Larvenstadium in einem Versteck am Boden, bevor sie im Frühjahr ihre Entwicklung fortsetzen.

Beide Geschlechter der Falter sind braun, die Weibchen zeigen jedoch eine Reihe orangener Flecken auf der Hinterfügel-Oberseite. Auf der Hinterflügel-Unterseite zeigt sich beim Storchschnabel-Bläuling ein auffälliger weißer "Wisch", der in einem schwarzen Fleck endet und damit einem Nagel ähnlich sieht. Allerdings gibt es auch die Form "fylgia" ohne diesen "Wisch" (Bild 5), daneben kommen auch mitunter ganz abweichend gezeichnete Falter vor (Bild 6).



Artkomplex Sonnenröschen-Bläulinge (Aricia agestis/ artaxerxes) - RL V



Geislingen, 18.06.2005 (Foto: B. Schlude)



Geislingen-Erlaheim, 12.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Geislingen, 18.06.2005 (Foto: B. Schlude)



Geislingen, 12.06.2009 (Foto: H. Fuchs)


Die beiden Sonnenröschen-Bläulinge sind einander so ähnlich, dass die Falter nicht einmal durch Genitaluntersuchung sicher unterschieden werden können, während die Unterscheidung der Raupen kein Problem darstellt.

Bei beiden Arten zeigen die Geschlechter dunkelbraune Flügeloberseiten, die Weibchen mit mehr orangeroten Flecken. Auf der Unterseite der Hinterflügel liegen häufig zwei schwarze Punkte dicht nebeneinander. Die Raupen von Aricia agestis sind grün und haben orangene Streifen.

Die Falter von Aricia artaxerxes fliegen in einer Generation im Juli und August, die von Aricia agestis in zwei Generationen von Mitte Mai bis Juni und dann wieder von Ende Juli bis Anfang September. Die Eier werden vorwiegend am Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) abgelegt.



Argus-Bläuling (Plebejus argus) - RL V



Nusplingen, 24.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 24.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 08.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 08.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 17.07.2017 (Foto: H. Fuchs)



Burladingen, 08.07.2010 (Foto: H. Fuchs)


Von den äußerlich nur schwer zu unterscheidenden Silberfleck-Bläulingen kommt im Zollernalbkreis wohl nur der Argus-Bläuling vor. Die Falter fliegen in einer Generation von Mitte Juni bis Mitte August. Die Eiablage erfolgt einzeln vorwiegend an oder in der Nähe von Hornklee.

Die Raupen werden von der Ameise Lasius niger betrillert und geben Zuckersaft ab. Möglicherweise gibt es hier eine Symbiose in der Form, dass die erwachsenen Raupen zur Verpuppung in deren Bauten kriechen.



Ameisenbläulinge (Phengaris spec.)


Allen Arten der Gattung Phengaris ist gemeinsam, dass ihre Raupen zunächst Blüten fressen, anschließend aber den Rest ihres Lebens in einem Ameisennest der Gattung Myrmica verbringen. Ohne ihre Wirtsameise kann also keine der Arten ihre Raupen-
entwicklung erfolgreich abschließen. Die Weibchen legen ihre Eier an die Nahrungspflanze in der Nähe der Ameisenbauten ab, wo die Räupchen nach einer Woche schlüpfen. Nach der dritten Häutung klettern sie herunter und lassen sich von den Ameisen in ihre Bauten eintragen, wo sie sich von deren Larven und Puppen ernähren. Dort überwintern sie auch und setzen im nächsten Frühjahr ihre Entwicklung fort. Erst der fertige Falter verlässt den Ameisenbau, um an einer geeigneten Pflanze die Flügel zu entfalten.



Quendel-Ameisenbläuling (Phengaris arion) - RL 2



Haigerloch-Owingen, 30.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 21.06.2009 (Foto: H. Fuchs)



Salmendingen, 20.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Ebingen, 28.06.2016 (Foto: H. Cura)



Burladingen-Hausen, 04.07.2017 (Foto: H.-P. Ulrich)


Der Quendel-Ameisenbläuling besiedelt vorwiegend südexponierte kalkreiche Magerrasen mit guten Beständen von Feld-Thymian (Thymus pulegioides) oder Dost (Origanum vulgare). Diese Flächen dürfen auch extensiv beweidet sein, weil der Tritt der Tiere die offenen "Störstellen" mit Hang-Anrissen und entblößten Kalkschottern schafft, die zur Entwicklung der Knotenameisen Myrmica sabuleti erforderlich sind.


Die Falter fliegen in einer Generation im Juni und Juli. Die Eier werden einzeln abgelegt, zumeist an die Blütenköpfe noch nicht blühender Thymian- oder Dost-Pflanzen.



Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous) - RL 3



Ringingen, 31.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Ringingen, 31.07.2010 (Foto: H. Fuchs)



Salmendingen, 19.08.2010 (Foto: H. Fuchs)


Wie der Name schon sagt, lebt Phengaris nausithous in Feuchtwiesenkomplexen sowie an Böschungen mit ausgedehnten Vorkommen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis). Voraussetzung ist jedoch eine ausreichend große Anzahl von Nestern der Wirtsameise Myrmica rubra.

Die Falter fliegen in einer Generation zwischen Mitte Juli und Mitte August. Sie holen ihren Nektar nahezu ausschließlich in den roten Blütenköpfchen, wo die Weibchen auch die Eier tief hinein legen.



Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon) - RL 2



Owingen, 23.07.1989 (Foto: H. Heimeier)



Owingen, 03.08.1991 (Foto: H. Heimeier)



Owingen, 25.07.1992 (Foto: H. Heimeier)



Owingen, 23.07.1989 (Foto: H. Heimeier)


Der Lungenenzian-Ameisenbläuling hatte außerhalb des Voralpenraums und Ober­schwabens nur ein einziges Vorkommen in Baden-Württemberg: Eine Nassbrache­fläche auf dem Warrenberg bei Haigerloch-Owingen. Leider ist dieses Vorkommen erloschen und die letzten sicheren Nachweise datieren aus dem Jahr 1992.

Die Falter fliegen im Juli/ August in Quell- und Flachmooren mit Vorkommen des Lungen- bzw. Schwalbenwurz-Enzians (Gentiana pneumonanthe bzw. asclepiadea), den Nahrungspflanzen der Raupen. Sie saugen z.B. an Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) und Teufelsabbiss (Succisa pratense).

Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris rebeli) fliegt einen Monat früher in Trockenhabitaten und legt seine am Kreuzenzian (Gentiana cruciata) ab. Es ist nicht


ausgeschlossen, dass es sich bei beiden Arten um ökologische Varianten derselben Art handelt. Genetische Studien weisen darauf hin, dass die Unterschiede nur marginal sind und in osteuropäischen Ländern legen die Falter aus Lungenenzian-Populationen auch an anderen Enzian-Arten in angrenzenden Trockenbiotopen ab. Näheres hierzu im Lepiforum.



Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus)



Haigerloch-Stetten, 13.08.2007 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Hart, 06.07.2012 (Foto: H. Fuchs)



Grosselfingen, 23.06.2011 (Foto: R. Zwiener)



Haigerloch-Stetten, 29.06.2018 (Foto: H. Fuchs)


Der Faulbaum-Bläuling ist häufig der erste Bläuling im Jahr. Die Falter fliegen in zwei Generationen von April bis in September.

Beide Geschlechter sind oberseits blau gefärbt, das Weibchen mit breiten dunkleren Rändern. Meist zeigen sie jedoch nur ihre hellblaue Flügel-Unterseite mit dem unauffälligen schwarzen Punktmuster.

Die Weibchen legen ihre Eier an die Blütenknospen vieler verschiedener Pflanzen ab, darunter z.B. Hartriegel (Cornus sanguineus), Brombeere (Rubus fruticosus) und Blutweiderich (Lythrum salicaria).



Zwerg-Bläuling (Cupido minimus) - RL V



Haigerloch-Stetten, 30.04.2007 (Foto: H. Fuchs)



Nusplingen, 24.06.2010 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Owingen, 18.05.2009 (Foto: H. Fuchs)


Der Zwerg-Bläuling trägt seinen Namen zurecht, denn dieser Falter ist tatsächlich der kleinste einheimische Tagfalter. Die Oberseite beider Geschlechter ist braun, mitunter blau bestäubt. Die Flugzeit der erwachsenen Tiere ist an die Blütezeit des Wundklee (Anthyllis vulneraria) gekoppelt. Man findet die Falter bei uns in einer einzigen Generation von Mai bis Ende Juli.

Als Lebensraum dienen vorwiegend kalkreiche Magerrasen an Hängen, zumeist Wacholderheiden. Besonders interessant scheinen "Störstellen" mit Rohboden zu sein, wo der Wundklee als Pionierpflanze auftritt - in deren Blüten frisst die Raupe.

Die Raupenentwicklung dauert etwa 18 Tage und ist beendet, bevor die Samenanlagen der Nahrungspflanzen reif sind. Die meisten Raupen verbleiben dann ohne weitere Nahrungsaufnahme am Boden und verpuppen sich erst im nächsten Frühjahr.



Kurzschwänziger Bläuling (Cupido argiades) - RL V



Grosselfingen, 29.04.2012 (Foto: R. Zwiener)



Schlatt, 07.07.2012 (Foto: H.-M. Weisshap)



Schlatt, 07.07.2012 (Foto: H.-M. Weisshap)



Bad Imnau, 04.09.2010 (Foto: D. Koelman)



Haigerloch-Stetten, 05.07.2011 (Foto: H. Fuchs)



Haigerloch-Stetten, 05.07.2011 (Foto: H. Fuchs)


Cupido argiades kann in unserem Raum vermutlich als Gewinner der Klimaveränderung bezeichnet werden. Kam diese Art in den achtziger Jahren fast ausschließlich am südlichen Oberrhein vor, breitet sie sich seit ein paar Jahren auch in nördlicher Richtung aus und über den Schwarzwald und das Neckartal auch weiter nach Osten.

Im September 2010 wurde die Art unseres Wissens erstmals auch im Zollernalbkreis nachgewiesen. Möglicherweise stammen diese Tiere von Ausbreitungsflügen der Oberrheinpopulation.

Die Weibchen legen ihre Eier in ganz verschiedenen Grünlandbiotop-Typen an Luzerne (Medicago sativa), Rotem Wiesenklee (Trifolium pratense) und Hornklee (Lotus corniculatus). Die Falter saugen vorwiegend an gelben Blüten.


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