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Der weiße Greif aus den Haigerlocher "Seewiesen"

Foto: Nils Agster

Foto: Heiner Götz

Am Samstag, 20. Mai 2017, dreht Hans Hermann vom NABU Haigerloch eine seiner "üblichen" Runden und kommt bei der Gelegenheit auch durch die "Seewiesen", eine der regelmäßig auftauchenden Geländesenken in der welligen Landschaft der oberen Gäue zwischen Neckar- und Eyachtal im Zollernalbkreis.

"Huch, was ist denn das für ein weißer Turmfalke?" schießt es ihm durch den Kopf, als er den Vogel in einer lang gezogenen Hecke oberhalb des Seggen­sumpfs sitzen sieht. Fernglas raus: kein Turmfalke. Aber was dann? Mist, der Fotoapparat liegt auch im Auto, weiß der Henker wie weit weg. Als Hans dann wieder aufblickt, ist der Vogel weg - nirgends mehr zu sehen.

Später, wieder zuhause, versucht er den Vogel im Buch zu finden und landet beim "Gleitaar (Elanus caeruleus)" - aber das kann ja gar nicht sein, gibt's bei uns nicht. Die weitere Recherche ergibt dann allerdings, dass wohl auch in Deutschland Nachweise vorhanden sind ...

Also wird mal vorsichtshalber "unbekannter Greif" und eine Beschreibung bei ornitho.de eingestellt und noch am selben Abend kommt u.a. Nils Agster vorbei und kann den Vogel tatsächlich bestätigen: Gleitaar - Sensation!

Von da an kommen immer wieder ornithologisch interessierte Menschen angefahren und wollen den Vogel sehen. Und glücklicherweise hält er sich auch an den folgenden Tagen noch in der Gegend auf.



Foto: Günter Ströhle



Foto: Heiner Götz



Foto: Nils Anthes



Foto: Nils Agster



Foto: Andreas Hachenberg



Foto: Bernhard Etspüler



Foto: Bernhard Etspüler



Foto: Bernhard Etspüler

Der Vogel ist sehr störungsempfindlich, deshalb sind alle Fotos aus über 300m Entfernung gemacht worden - zum Teil per Digiskopie durchs Spektiv hindurch. Alle Beobachter verhalten sich seither vorbildlich!



Quelle: xeno-canto.org


Wie die Verbreitungskarte aus xeno-canto.org zeigt, befinden sich die nächsten Brutplätze in Südwest-Frankreich und Spanien bzw. Portugal sowie in den südlich daran anschließenden Gebieten Nordafrikas (nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Karte bei xeno-canto.org). Der Sprung übers Mittelmeer gelang wohl erst um 1970. Seither hat eine Arealerweiterung nach Norden stattgefunden und in Südwestfrankreich brütet der Gleitaar erfolgreich seit 1990. In Mitteleuropa gilt er jedoch nach wie vor als "seltener Irrgast".

In Afrika bilden vor allem Savannen, Steppen und Halbwüsten den Lebensraum des Gleitaars. Auf der Iberischen Halbinsel lebt er aber auch in der Kultursteppe mit Baumgruppen und Einzelbäumen, die er gerne als Ansitzwarten nutzt, sowie in den Randzonen großer Rodungsflächen. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Mäusen, daneben jagt er auch Kleinvögel aller Art, Eidechsen und Großinsekten.

So wird der Vogel auch bei Haigerloch erlebt: Auf den Spitzen von Hecken oder auf Bäumen Ausschau haltend, dann im niedrigen Suchflug unterbrochen von Rüttelphasen bis in die Abendstunden - dazwischen putzt er sich eine gefühlte Ewigkeit. Sein Aktionsraum erstreckt sich dabei auf den Bereich zwischen L 410 und K 7165 bzw. K 7155 und dem Bereich des Breilrieds bzw. dem Ortsrand von Hart, insgesamt knapp 2 km².

Update vom 26. Juni:
Der Vogel hatte sich rund 4 Wochen lang im Gebiet aufgehalten und wurd am 17. Juni offenbar zum letzten Mal registriert. Zu diesem Zeitpunkt waren immer wieder viele Personen für landwirtschaftliche Tätigkeiten in den Feldern unterwegs und sogar Spaziergänger mit Hunden liefen quer durch die Wiesen. Und dann setzte noch die Mahd der Grünlandflächen in unmittelbarer Nähe seine üblichen Ruheplatzes ein. Mag sein, dass es dem Vogel dann irgendwann zuviel wurde und er hat sich vielleicht an anderer Stelle wieder ein ruhigeres Plätzchen gesucht. Vielleicht wird er ja auch dort mal gesehen ...


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