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Plettenberg - zwischen Rohstoffabbau und Naturschutz


Foto: Rainer Halama, Wikimedia

Der Plettenberg ist aufgrund seiner Höhenlage und im Bereich seines Steilanstiegs einer der bemerkenswertesten Berge der Südwestalb. Das Landschaftsbild des Steilanstiegs ist nicht als Fassade, sondern als Ausdruck des Wesens dieses Berges zu verstehen. Ökologisch ist dieser Charakter des Berges als hochmontan mit subalpinen Elementen kurz zu umschreiben. Die Seltenheit und Besonderheit dieser (...) Wesensmerkmale würde es rechtfertigen, den Berg (gemeint ist als Ganzes) unter Naturschutz zu stellen.

Diese Sätze haben wir einer Stellungnahme des damaligen Naturschutzbeauftragten Hans-Dieter Stoffler entnommen, der im Jahr 1974 aufgrund eines vorliegenden Erweiterungs-Antrags des Zementwerks die Schutzwürdigkeit des Plettenbergs unter geologischen, pflanzensoziologisch und ökologischen Kriterien sehr detailliert und äußerst fachkundig beschrieben und damit aktenkundig gemacht hat. Er kommt darin zur Position: "Die umfangreichen, den seitherigen Abbau etwa um das Vierfach übertreffenden Massen, stellen das Äußerste dar, was an Gesteinsabbau vertreten werden kann." (siehe hierzu die ganze ▶▶ Stellungnahme von 1974)

Diese Einschätzung haben die Natur- und Umweltschutzverbände seit 1974 uneingeschränkt geteilt und teilen sie nach wie vor. Aus diesem Grund haben sie ständig und zuletzt in den Stellungnahmen für die Entwürfe des Regionalplans 2008 und 2012 die Ansicht vertreten, ein weiterer Abbau auf dem Plettenberg vertrage sich nicht mit den aus ihrer Sicht vorrangigen Interessen des Natur- und Umweltschutzes und haben gefordert, weitere Eingriffe zu unterlassen und das VRG Sicherung ganz zurückzunehmen. Aus demselben Grund wird auch die seit 2016 betriebene Änderung des LSG Großer Heuberg" klar und deutlich abgelehnt.

Worum es geht

Die Holcim (Süddeutschland) GmbH plant über eine Süd-Erweiterung den weiteren Abbau von Kalkstein auf dem Plettenberg. Ob und in welchem Umfang bereits frühere Abbau-Tätigkeiten über bestehende vertragliche und genehmigungsrechtliche Vorschriften hinaus stattgefunden haben und ob z.B. in der Vergangenheit eine riesige Karsthöhle "stillschweigend" beseitigt worden ist, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand der Betrachtung sein.

Die derzeit vom Zementwerk geplante Abbauerweiterung kann der folgenden Karte entnommen werden.


Quelle: http://www.zementwerk-dotternhausen.de/


Die Position

Die Naturschutzverbände richten sich in ihrer Beurteilung weitgehend an den heutigen Gegebenheiten aus. Ein Gesteinsabbau stellt an jeder Stelle einen massiven Eingriff in gewachsene Habitate inklusive ihrer Lebensgemeinschaften dar. Weil uns einerseits der gesamte Bereich zwischen der Hangkante und dem bestehenden Abbaufeld vorrangig als schützenswert erscheint, wir andererseits nicht blauäugig die Einflussmöglichkeiten eines großen internationalen Industriekonzerns verkennen, werden wir jede Maßnahme unterstützen, die den breitest möglichen Streifen erhalten hilft. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben zwei Vertreter des Landes­naturschutzverbandes unlängst das Gespräch mit Vertretern der Firma gesucht.

Was irritiert

Der im besten Sinne "penetranten" Tätigkeit der Bürgerinitiativen ist zu verdanken, dass noch einmal Bewegung in das längst "abgehakt" geglaubte Verfahren gekommen ist. Jetzt sind gleich zwei "Mediationen" im Gespräch:
Die Gemeinde hat den ehemaligen Tübinger Regierungspräsidenten Schmid gewonnen und ist damit laut Pressebericht vom 14.07. auf Zustimmung bei den Bürgerinitiativen gestoßen (▶▶ Bericht im Schwarzwälder Boten). Auf der anderen Seite stehen die Holcim-Mediatoren Roland Fritz und Piet Sellke von der Firma adribo, mit der die VertreterInnen der Bürgerinitiativen zunächst nichts zu tun haben wollen (▶▶ Bericht im Zollern-Alb-Kurier).

Doch egal, welche Moderation letzten Endes die "Richtige" ist: Bei einem Mediationsverfahren geht man davon aus, dass zunächst ergebnisoffen verhandelt wird. Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu grotesk, dass Bürgermeisterin Adrian nun für die Sitzung des Gemeinderats vom 26. Juli 2017 die Entscheidung über die Abbaugrenzen auf die Tagesordnung gesetzt hat (▶▶ siehe Amtsblatt bzw. ▶▶ Gemeinderatsvorlage). Das muss bei all jenen wie eine schallende Ohrfeige wirken, die sich für einen konstruktiven Umgang miteinander einsetzen.

veröffentlicht am 24. Juli 2017

Auch zum Thema gehören:
Stellungnahme zur geplanten Änderung des LSG "Großer Heuberg" (22.06.2016) ▶▶ hier
Stellungnahme zur 1. Änderung des Regionalplans Neckar-Alb 2013 - Entwurf 2015 (28.10.2015) ▶▶ hier
 

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